Meryl Streep als grandiose "Eiserne Lady"

Die Eiserne Lady (GB/F 2011)

Wie war das genau mit dem Falkland-Krieg? Das werden Sie hier nicht erfahren. Der Film von Phyllida Lloyd zeichnet das Leben und die Karriere der ehemaligen britischen Premierministerin Margaret Thatcher nach, ohne sich jemals in die „Niederungen“ der Politik zu begeben. Thatcher als demente alte Dame, als junges Mädchen, als energische Powerfrau in den besten Jahren – das ergibt eine Art Thatcher-Symphonie, mit viel Gefühl und musikalischen Pathosformeln. Der Film ist deshalb gerade in England umstritten. Aber sein Star ist es nicht: Meryl Streep gibt in der Hauptrolle eine fast gespenstisch perfekte Vorstellung, britischer Akzent inklusive. Der dritte Oscar für die amerikanische Ausnahmeschauspielerin ist gerechtfertigt.

R: Phyllida Lloyd. B: Abi Morgan. Da: Meryl Streep, Jim Broadbent, Alexandra Roach, Richard E. Grant. L: 105 Min. FBW: besonders wertvoll.

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Shame (GB 2011)

Die Fassade ist perfekt, ein ungebundenes Junggesellenleben par excellence. Als Manager in einer großen Firma hat der Mittdreißiger Brandon ein gutes Einkommen und ein schickes Apartment. Er sieht blendend aus, ist kultiviert und braucht nicht viele Worte, um eine Frau ins Bett zu kriegen. Doch die Freiheit, um die ihn sein verheirateter Chef beneidet, ist eine kalte Hölle. Der neue Film von Steve McQueen („Hunger“) skizziert ein Leben, das fest im Griff einer Sucht ist. Anonymer Sex in Seitengassen, Prostituierte, Telefon-Hotlines, Masturbation auf der Bürotoilette, Pornohefte – Brandon, großartig gespielt vom neuen Star Michael Fassbender („X-Men: Erste Entscheidung“)  nimmt das alles mit, doch es scheint nie zu reichen. „Shame“ ist eine suggestiv inszenierte, verstörende Studie über das Schicksal der Libido im Konsumkapitalismus.

R: Steve McQueen. B: Steve McQueen, Abi Morgan.  Mit: Michael Fassbender, Carey Mulligan, James Badge Dale, Nicole Beharie, Lucy Walters. L: 100 Min. FSK: 16, ff. FBW: besonders wertvoll.

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Trans Bavaria (Deutschland 2011)

Drei Abiturienten wollen mit Papas Metzgerbus nach Moskau fahren, weil dort Fidel Castro, der letzte Revolutionär, eine Rede hält. Und wie das mit Roadmovies so ist: Sie kommen zwar nicht in Moskau an, finden aber zu sich selbst, irgendwie und mit Hilfe von Gorbatschow und dem Papst. Den Film begleitet der innere Monolog des Helden Quirin über Rebellion und Revolution, ein Text mit sehr gelungenen satirischen Volten. Das in Niederbayern startende und im Wilden Osten endende Roadmovie wirkt so, als hätte Detlev Buck sein „Wir können auch anders“ in die Gegenwart verlegt. „Trans Bavaria“ ist ein mit ganz geringen Mitteln realisiertes Erstlingswerk des Bayern Konstantin Ferstl, ein Publikumserfolg bei den letztjährigen Hofer Filmtagen. Egal wohin man auch fährt, das Bayrische reist immer mit, könnte die Essenz dieses Filmes lauten.

R: Konstantin Ferstl. Mit: Marcel Despas, Lukas Schätzl, Johannes Damjanitsch, Leonore Goebel. L: 126 Min. FSK: ohne Altersbeschränkung.

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John Irving und wie er die Welt sieht (Deutschland 2011)

Der Schriftsteller John Irving liebt die Skurrilitäten des Alltags, die bei ihm oft auch ins Tragische sich ausweiten; er hat sie in Bestsellerromanen wie „Garp und wie er die Welt sah“ oder „Das Hotel New Hampshire“ beschrieben. André Schäfer porträtiert den Erfolgsautor auf informative und einfühlsame Weise. „Ich bin ein Handwerker“, sagt Irving, „kein Theoretiker, ein Geschichtenerzähler und kein Intellektueller.“ Dieser uneitle Gestus steht wie ein Motto über der Dokumentation, in der Irving aus seinem Schriftstellerleben erzählt. Schäfer folgt Irving auch zu den Orten seiner Recherche: denn für jeden Roman betreibt der Schriftsteller Feldforschung. So beschreibt der Film nicht nur eine Biografie, sondern lässt auch Einblicke zu, wie Kunst entsteht.

R: André Schäfer. L: 90 Min.

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