Evangelische Filmjury empfiehlt: "The Master"

Starkes Kino mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman

Phil.Bray

Aus dem 2. Weltkrieg kehrt der Marinesoldat Freddie Quell äußerlich unverletzt, aber seelisch beschädigt zurück. Seine Versuche, im bürgerlichen Leben wieder Fuß zu fassen, scheitern nicht zuletzt an seiner Trunksucht. Als er auf einer Yacht unbemerkt seinen Rausch ausschlafen will, lernt er Lancaster Dodd kennen. Eine charismatische Führerfigur, die vorgibt, durch Hypnose traumatische Erlebnisse aufarbeiten und Krankheiten heilen zu können. Dodd, den alle „den Meister“ nennen, will auch Freddie von seinen Obsessionen und Aggressionen befreien. So wird er zur Versuchsperson, aber auch zu Dodds Schützling. Dessen Mission oder „die Sache“ wird auch zu Freddies Angelegenheit.

Doch seine Neigung zum Jähzorn und zum Alkohol lässt sich kaum therapieren. Einen Kritiker Dodds schlägt er zusammen; bei einer Verhaftung seines Meisters legt er sich vehement mit der Polizei an. Die kurzzeitige Haft bringt beide noch enger zusammen. Schließlich soll eine neue Übung Freddie Gelassenheit lehren. Doch das Ergebnis ist anders als erwartet. Die unbestrittene Weltmacht USA sucht nach dem Sieg im 2. Weltkrieg neue geistige Orientierung. Die
Trauer über die Opfer und die Schrecken des Krieges verlangen nach Sinngebung.

[Video:http://www.youtube.com/watch?v=z8XI-Nu9oig&list=PL1AB173ACA32A450A&index=3]


Der Film entwirft ein zeitdiagnostisches Bild dieser Sinnsuche. Aus dem Heilsversprechen des Meisters und dem Schutzbedürfnis seiner Jüngerinnen und Jünger entsteht eine neue, sektenähnliche Gemeinschaft, in der sich Unterwerfung
und Befreiung mischen. Lancaster Dodd verkörpert den Typus eines inspirierten Nonkonformisten, der als Kultfigur vergöttert, aber auch als Spinner verlacht werden kann. Das Faszinierende und das Erschreckende, die eigenen Ambitionen und Begrenzungen verschmelzen in den beiden Protagonisten, die sich als Teil einer höheren Mission begreifen. In „The Master“ werden die Verlockungen und Abgründe einer immer wieder aktuellen Figur erkennbar, die religiöse Bedürfnisse zu stillen verspricht.

 

Produktion: The Weinstein Company, Ghoulardy Film Company, Anapurna Pictures, USA 2012; Regie und Buch:
Paul Thomas Anderson; Kamera: Mihai Malaimare Jr.; Schnitt: Leslie Jones, Peter McNulty; Musik: Jonny Greenwood; Darsteller: Joaquin Phoenix (Freddie), Philip Seymour Hoffman (Lancaster Dodd), Amy Adams (Peggy Dodd) u.a.; Format: Farbe, 35mm, 137 Min. Auszeichnungen: Silberner Löwe, Venedig 2012 (Beste Regie); Kinostart: 21. Februar 2013

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