Film "Hive": Wie Frauen im Kosovo-Krieg zu Selbstbestimmung finden

Schicksal eines Dorfes
Hive

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"Hive" ist das englische Wort für Bienenstock. Beim Bauen der Bienenhäuser sei ihr Mann so glücklich gewesen, sagt Fahrije. Sie hingegen wird trotz des Schutzanzuges, den sie trägt, von den Honigbienen gestochen. Keinen Schutzanzug trägt sie, als sie in der ersten Szene des Films einen der weißen Säcke öffnet, in denen sich die Überreste von Leichen befinden, die das UN-Hilfswerk geborgen hat und die nun von den Angehörigen identifiziert werden sollen.

Fahrije lebt mit ihren beiden Kindern und ihrem Schwiegervater in dem Dorf Krusha e Madhe. Während des Kosovo-Krieges verübten serbische Truppen dort im März 1999 ein Massaker an den kosovo-albanischen Dorfbewohnern. Seitdem gilt Fahrijes Mann als vermisst. Sieben Jahre nach dem Ende des
Krieges, dem Zeitpunkt, zu dem der Film spielt, wissen die Überlebenden noch immer nicht, was mit ihren Angehörigen geschah.

Der Film beruht auf wahren Begebenheiten

Der Debutfilm der kosovarischen Regisseurin Blerta Basholli beruht auf wahren Begebenheiten. Er wurde von der Lebensgeschichte von Fahriye Hoti inspiriert. Im Film wird sie von der Schauspielerin Yllka Gashi überzeugend gespielt. Aufrecht und gradlinig, sucht Fahriye trotz des schmerzlichen Verlusts
ihres Mannes im Krieg nach einem Neuanfang für sich und ihre Familie.

Weil der Honig nicht genug Gewinn abwirft, um die Familie zu ernähren, gründet Fahriye zusammen mit anderen Kriegswitwen eine landwirtschaftliche Genossenschaft. Die Frauen stellen Ajvar her, den in der südosteuropäischen Küche beliebten Paprikaaufstrich, der sich im lokalen Supermarkt gut verkauft. Zwar müssen Fahriye und die anderen Frauen sich zunächst gegen allerhand Anfeindungen zur Wehr setzen, die ihnen in dem Dorf mit seinen patriarchalen
Traditionen entgegenschlagen. Doch ihr Unternehmen wird schließlich zur Erfolgsgeschichte.

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Hive ist ein Film, der Mut macht. Er erzählt die Geschichte einer beeindruckenden Frau in einem vom Krieg gezeichneten Land, der es trotz traumatischer Erlebnisse durch eine solidarische Kraftanstrengung gelingt, den Weg in eine selbstbestimmte Zukunft zu finden.

© JIP Film

Hive (Kosovo, Schweiz, Albanien, Nordmazedonien, 2021)

Regie und Drehbuch: Blerta Basholli

Darsteller: Yllka Gashi, Çun Lajçi, Aurita Agushi, Kumrije Hoxha

Kamera: Alex Bloom

Schnitt: Félix Sandri, Enis Saraçi

Musik: Julien Painot

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 12 Jahren freigegeben

Kinostart: 8. September 2022

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