Evangelische Filmjury empfiehlt: Eine neue Freundin

Als Film des Monats April 2015 zeichnet die Jury der Evangelischen Filmarbeit "Eine neue Freundin" von François Ozon aus.

Bertrand Calmeau/Mandarin Cinéma

„Rechtes Auge – rechte Hand. Linkes Auge – linke Hand“. Claire erklärt ihrem Freund David, wie man Wimperntusche zielgenau aufträgt. Denn David orientiert sich gerade neu. Nach dem tragisch frühen Tod seiner Frau Laura hat er zunächst nur versucht, der kleinen Tochter die Mutter zu ersetzen – in Lauras Kleidern, mit Perücke und Schminke. Bald zeigt sich aber, dass mehr dahintersteckt.

Als Frau fühlt David sich außerordentlich wohl; offenbar lebt er einen bisher unterdrückten Teil seiner Persönlichkeit aus. Auch Claire hat etwas zu verarbeiten. Laura war ihre beste Freundin seit Kindertagen, eigentlich so etwas wie die Liebe ihres Lebens. Während Claire Davids Wandlung zur femme beobachtet, begleitet und gelegentlich befeuert – auf Shopping-Trips oder im Queer-Club -, beginnt sie, sich Fragen zu ihrer eigenen Sexualität und ihrer noch jungen, bisher kinderlosen Ehe mit dem sehr männlichen, sehr heterosexuellen Gilles zu stellen.

Mehr als nur männlich oder weiblich

Genderforscher und Sexualwissenschaftler gehen heute davon aus, dass es „x“ Sexualitäten und verschiedene, auch fließende Ausprägungen von Geschlecht gibt. Auf diesem Hintergrund entfalten sich die Beziehungs-, Liebes- und Selbstfindungsgeschichten in „Eine neue Freundin“. François Ozon inszeniert sie kontrolliert und konzentriert als Mischung aus Drama und Komödie, angesiedelt in einem gehobenen, bürgerlich-aufgeklärten Milieu. Ein Setting, das es erlaubt, die Konflikte der Protagonisten entspannt und gelegentlich sogar ein wenig ironisch zu betrachten: an das Geschlecht und die sexuelle Orientierung sind in den westlichen Ländern schließlich immer auch Konsum- und Lifestyle-Optionen geknüpft.

Plädoyer für Gelassenheit

Dennoch begleitet Ozon die Wandlungs- und Entwicklungsprozesse der Figuren mit Sympathie und Zärtlichkeit. Sein Film findet im scheinbar Exotischen das Verwandte, im Alltäglichen verborgenes Begehren, und immer wieder Wege, die aus der „Normalität“ ins Offene führen: ein verspieltes, intelligentes Plädoyer für Gelassenheit und Mut angesichts des sexual- und familienpolitischen Umbruchs, den wir seit einigen Jahrzehnten erleben.

© Weltkino

Produktion: Mandarin Films, FOZ u.a., Eric und Nicolas Altmayer, Frankreich 2014; Regie und Buch: François Ozon; Kamera: Pascal Marti; Schnitt: Laure Gardette; Musik: Philippe Rombi; Darsteller: Romain Duris (David), Anaïs Demoustier (Claire), Raphaël Personnaz (Gilles), Isild Le Besco (Laura); Format: DCP, Farbe 108 Min.; Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH, Karl-Tauchnitz-Straße 6, 04107 Leipzig, Tel.: 0341 21339 111, Fax: 0341 21339 303, info@weltkino.de, www. weltkino.de; FSK: ab 12. 

Preise: Sebastiane Preis, San Sebastian 2014

www.eineneuefreundin.weltkino.de

Kinostart: 26. März 2015

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Lesermeinungen

Schade, dass gerade die evangelische Filmjury diesen Film empfiehlt. Ich kenne den Film nur vom Trailer. Trotzdem halte ich ihn nicht für empfehlenswert. Er spielt mit sexueller Umorientierung und normalisiert dadurch die Variabilität des sogenannten Genders. Wenn man der These folgt, dass etwa Burnout auch eine Folge der Multioptionsgesellschaft ist, dann wird die öffentliche Akzeptanz Geschlecht als etwas Veränderbares anzusehen noch viele Verletzte und Verwundete hinterlassen. Ein weiteres Fixum wird niedergerissen und eine neue Orientierungslosigkeit geschaffen. Wohl dem, der sich an Werten orientieren kann, die göttlicher Herkunft sind und nicht einem Zeitgeist vorauseilen, dessen Folgen keiner kennt. Nicht, dass wir als Christen die Welt aufhalten könnten. Aber unsere Aufgabe ist es, Orientierung zu geben in einer Zeit in der Tabubruch und Sinnwechsel zur Normalität gehören.