epd-Filmtipps: Call Jane, Die stillen Trabanten, Sonne, Eine Frau

Die stille Macht der Frauen
Die stille Macht der Frauen

DCM

Call Jane (USA 2022)

Joy lebt mit ihrem Mann, einem erfolgreichen Anwalt, und ihrer 15-jährigen Tochter in Chicago. Als sie ihr zweites Kind erwartet, bedeutet das aufgrund ihrer Herzinsuffienz für sie lebensbedrohliche Komplikationen. Eine Abtreibung wird aber nicht genehmigt. Auf der Suche nach Hilfe gerät sie an das geheime Frauenkollektiv "Call Jane" – das es wirklich gab und das damals illegale Abtreibungen organisierte. Und Joy steigt mehr und mehr in die Aktivitäteten der Gruppe ein. Durch das Urteil des Supreme Court hat "Call Jane" neue Aktualität bekommen, ist aber als weibliche Empowerment-Geschichte allzu zuckrig geraten.

Ausführliche Kritik bei epd Film.

© DCM

USA 2022. Regie: Phyllis Nagy. Buch: Hayley Schore, Roshan Sethl. Mit: Elizabeth Banks, Sigourney Weaver, Kate Mara, Chris Messina. Länge; 121 Min. FSK: ab 12 Jahren

Die stillen Trabanten (Deutschland 2022)

Thomas Stuber hat Geschichten des Schriftstellers Clemens Meyer verfilmt und sie in seinem neunen Film ineinander verwoben, drei Geschichten um Annäherung und Zuneigung, Einsamkeit und Glück, drei Geschichten, die vornehmlich in der Nacht spielen. "Die stillen Trabanten" ist situiert in und um den Leipziger Hauptbahnhof und fasziniert durch seine leisen Momente und Details, die eine ganz eigene Poesie des Alltags entfalten. Mit Albrecht Schuch, Martina Gedeck und Nastassja Kinski in ihrer ersten Rolle seit langem.

Ausführliche Kritik bei epd Film.

© Warner Bros. Pictures

Regie: Thomas Stuber. Buch: Thomas Stuber, Clemens Meyer (nach Motiven aus seinem Erzählungsband "Die stillen Trabanten"). Mit: Albrecht Schuch, Lilith Stangenberg, Martina Gedeck, Nastassja Kinski, Charly Hübner, Irina Starshenbaum. Länge: 102 Min. FSK: ab 12 Jahren

Sonne (Österreich 2022)

Drei Wiener Mädchen und beste Freundinnen, Yesmin (Melina Benli), Bella (Law Wallner) und Nati (Maya Wopienka), machen ein Youtube-Video im Hijab, das ein regelrechter Internet-Hit wird. Sie singen auf einer kurdischen Hochzeit oder in einem islamischen Zentrum vor Muslima. Vor allem in Yesmins Familie führt das aber zu Spannungen. Die österreichische Regisseurin Kurdwin Ayub inszeniert flippig und ganz ohne Problemfilmduktus ein migrantisch geprägtes Coming-of-Age zwischen (digitaler) Moderne und (religiöser) Tradition.

Ausführliche Kritik bei epd Film.

© Neue Visionen Filmverleih

Regie und Buch: Kurdwin Ayub. Mit: Melina Benli, Maya Wopienka, Omar Ayub, Law Wallner, Kerim Dogan, Awini Barwari. Länge: 87 Min. FSK: ab 12 Jahren

Eine Frau (Deutschland/Argentinien 2021)

Schon Jeanine Meerapfels erster langer Spielfilm "Malou" kreiste 1981 um die Beziehung zu ihrer verstorbenen Mutter – und deren fatale Abhängigkeit von Männern. Etwa vierzig Jahre, ein gutes Dutzend Filme und viele Lebenserfahrungen später geht die Regisseurin wieder auf Reise in die eigene Familiengeschichte. Diesmal aber mit einem dokumentarischen Ansatz. Ausgangspunkt dieser Suche ist der von Kameramann Johann Feindt sorgfältig in Szene gesetzte Nachlass, bestehend aus einer großbürgerlichen 24-teiligen Silberbesteckgarnitur, Kroko-Handtäschchen, Fotos, Filmen, Briefen und Dokumenten. Meerapfel macht aus einer ergreifenden Hommage an ihre Mutter einen ebenso intimen wie breit angelegten und poetischen philosophisch-politischen Filmessay.

Ausführliche Kritik bei epd Film.

© Real Fiction Filmverleih

Regie und Buch: Jeanine Meerapfel. Länge: 100 Min. FSK: ab 12 Jahren

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