Buchtipp: Unbewusste Erbschaften des Nationalsozialismus

Ein psychoanalytischer Blick auf die Spuren in den Seelen der Nachkommen

Die Nachkommen der Kriegsgeneration, auch zweite und dritte Generation genannt, haben unverarbeitete Scham- und Schuldgefühle übertragen bekommen. Solche Gefühle will man abspalten, sie sollen nicht zu einem gehören. Leider wirken sie trotzdem weiter - oft in zerstörerischer Weise gegen andere, vielleicht noch häufiger gegen sich selbst. Wie oft beobachtet die Psychoanalytikerin Elke Horn an ihren PatientInnen eine massive "Selbstbehinderung im Leben"! Das von Jan Lohl und Angela Moré herausgegebene Buch "Unbewusste Erbschaften des Nationalsozialismus" wirft in sehr unterschiedlichen Beiträgen einen vor allem psychoanalytischen, aber auch sozialpsychologischen Blick auf die unbewussten Erbschaften des Nationalsozialismus. Einen historischen Blick wirft Hannes Heer, Leiter der ersten Wehrmachtsausstellung 1995, auf die deutschen Geschichtsdebatten (Jenninger-Rede, Austellung "Verbrechen der Wehrmacht", Martin Walsers "Gewissen", Historikerstreit)  und zeichnet diese Geschichtsdebatten als Generationengespräch nach. Schnell zu verschlingen ist das Buch nicht, man hat ziemlich zu kauen. Ein ergiebiges Buch.

Jan Lohl, Angela Moré (Hg.): Unbewusste Erbschaften des Nationalsozialismus, Psychosozial-Verlag, 29,90 Euro

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