Buchtipps von Rainer Moritz: "Drei Geschichten" und "Monsieur Nicolas"

Die sind klasse!

Gustav Flaubert: Drei Geschichten. Hanser, 28 Euro

Drei Jahre vor seinem Tod, 1877, schloss Gustave Flaubert sein letztes Buch ab. Die bewusst lakonisch betitelten „Drei Geschichten“ ge­hören zu den stilistischen Klassikern der französischen Literatur. Sie zeigen einen Autor auf der Höhe seiner Kunst, und sie zeigen ihn, wie er sich an drei ganz unterschiedlichen Stoffen erprobt: an einer mittelalterlichen Heiligenlegende, an der bi­blischen Geschichte von Johannes dem Täufer und, in der berühmten Auftakt­erzählung „Ein schlichtes Herz“, am Schicksal einer Bediensteten im frühen 19. Jahrhundert. Die Em­pathie, die er dieser Frau, Félicité, entgegenbringt, ist beispielhaft dafür, wie Literatur die Weltsicht und ­unser Empfinden erweitert.

Retif de la Bretonne: Monsieur Nicolas. Galiani, 38 Euro

Rétif de la Bretonne (1734–1806) ist hierzulande ein kaum bekannter Autor. Das muss sich ändern, denn allein seine umfangreiche Autobiografie „Monsieur Nicolas“, die Reinhard Kaiser nun in einer Auswahl vorlegt, erweist sich als bahnbrechendes Werk, das in größter Offenheit die ­Gedanken- und Empfindungswelt eines Mannes darlegt. Schonungslos entblößt sich der Erotomane Rétif, erzählt von seiner beschwerlichen Jugend und gibt seltene Einblicke in die unteren Schichten der französischen Gesellschaft. Kein Wunder, dass Schiller, Goethe und Wilhelm von Humboldt auf diesen manisch Schreibenden aufmerksam wurden.

Rainer Moritz

Rainer Moritz ist Leiter des Hamburger Literaturhauses.
Gunter Glücklich

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