Buchtipps von Anne Buhrfeind: "Mein Vater, die Dinge und der Tod" und "Anmut und Feigheit"

Ein Vater und eine Mutter

 Rainer Moritz: Mein Vater, die Dinge und der Tod. Kunstmann, 200 Seiten, 20 EuroPR

Die Wohnung und die Dinge in ihr sprechen lauter, wenn der Besitzer still geworden ist. Rainer Moritz, unser Kolumnist, der hier jeden Monat zwei Romane vorstellt, hat nach dem 
Tod seines Vaters dessen ­Möbeln zugehört. So strukturieren die Dinge seine ­eigene Erinnerung: Der Sessel, der Fernseher, das Schachbrett oder auch die Terrassentür erzählen, wie es zwischen den Genera­tionen mal liebevoll, mal sprachlos zugeht, wie ein 
Familienleben in den Sieb­zigern sich am Vater ausrichtet, wie die Eltern alt 
­werden. Wir hören von der schönen Tante, von Schwarz­wälder Kirschtorte und dem Tischgebet. Ein Porträt, ein Erinnerungsbuch, un­sentimental und nachdenklich – und wer in den Siebzigern jung war, wird vieles wieder­erkennen.

 Frank Schulz: Anmut und Feigheit. Erzählungen. Galiani, 336 Seiten, 22 EuroPR

Frank Schulz, der den Detektiv Onno Viets erfunden hat, ist nur ein Jahr älter als Rainer ­Moritz und trauert um seine Mutter. Sie war doch noch gar nicht alt und noch so fit, niemand hatte damit gerechnet, dass sie stirbt, nicht jetzt, die Familie verharrt in Schockstarre: "Das kann ja wohl nicht angehn!" Und überraschend wirkt die Trauer in Schulz’ neuem Prosaband: Die anderen ­Erzählungen, Fragmente, Kurztexte sind penibel ­konstruiert, immer über­originell und superkonkret, typisch Schulz, während der "Rotkehlchen"-Text ganz ­direkt spricht, wie rohe Traurigkeit, noch nicht zu Literatur verarbeitet. Und natürlich ist es doch Literatur.

Anne Buhrfeind

Anne Buhrfeind ist stellvertretende Chefredakteurin bei chrismon. Davor war sie stellvertretende Chefredakteurin "Gala" und "woman" in Hamburg.
Lena UphoffPortrait Anne Buhrfeind, chrismon stellvertretende Chefredakteurin

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