August-Buchtipps von Rainer Moritz: "Was ich euch nicht erzählte" und "Diese gottverdammten Träume"

Amerikanische Träume
Geschichten von Familien und Stadtbewohnern empfiehlt Rainer Moritz für den August. Beide aus Übersee

 Foto: PR
Vorzüglich verstehen sich amerikanische Autoren darauf, großangelegte Familiengeschichten zu erzählen. Die junge Celeste Ng siedelt ihr Debüt in den ­Siebzigerjahren in Ohio an. Was wie ein Thriller beginnt – die 16-jährige Lydia Lee wird in einem Teich tot aufgefunden –, entwickelt sich zum Panorama einer zerbrechenden Familie. Ihr Vater, ein Geschichtsprofessor mit chinesischen Wurzeln, heiratete einst die blonde Marilyn, Amerikanerin durch und durch, eine Mesalliance, wie seine Schwiegermutter lapidar konsta­tiert. Lydia und ihre Geschwister bleiben Fremde in ihrem Land, und als Marilyn, von Ehrgeiz getrieben, Lydia zu einer wissenschaftlichen Laufbahn zwingen will, verschanzt sich die Tochter in auswegloser Einsamkeit.

 

 

Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte. Übersetzt von Brigitte Jakobeit. dtv. 288 Seiten, 19,90 Euro.

 

 Foto: PR
Nicht in Ohio, sondern in Maine spielt Richard Russos bereits 2002 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneter Roman „Diese gottverdammten Träume“. Empire Falls heißt das Städtchen, das bessere Zeiten gesehen hat. ­Dominiert von der Erbin einer Textilfirma versuchen die Einwohner, trotz aller Rückschläge an ihr Glück zu glauben. Russo zeigt uns, wunderbar psychologisch entfaltet, Menschen, die mit neuer Liebe oder neuen Ge­schäfts­ideen ihrem öden Leben entkommen wollen – und doch in der Vergangenheit und ihren ­falschen Hoffnungen gefangen bleiben. Ein Meisterwerk, wie man es nicht alle Tage lesen darf.

 

 

 

Richard Russo: Diese gottverdammten Träume. Übersetzt von Monika Köpfer. DuMont. 752 Seiten, 24,99 Euro.

 

 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.