Schulversager? Gibt es nicht, sagt die Journalistin Marie-Luise Lewicki

Eltern, macht euch locker!

Klaas Neumann

Schule fängt an – schon wieder Stress. Wie Ihr Kind trotz schlechter Noten glücklich werden kann, sagt Marie-Luise Lewicki

Loben wir uns ruhig mal selbst. Wir Eltern machen eine ganze Menge richtig. Wir achten unsere Kinder von klein auf als eigenständige Persönlichkeiten. Kein Kind muss mehr seinen Teller leer essen, wir setzen auf Zuwendung und Verständigung statt auf Dressur und Gehorsam. Anders als beispielsweise in Frankreich gibt es einen breiten Konsens darüber, dass Ohrfeigen keinesfalls ein Erziehungsmittel sind. Die meisten Eltern stecken gern persönlich zurück, wenn sie glauben, dies sei gut für ihr Kind. Wohl noch keine Elterngeneration hat die Bedürfnisse ihrer Kinder so ernst genommen wie die heutige.

Marie-Luise Lewicki

Marie-Luise Lewicki ist Chefredakteurin der Zeitschrift "Eltern". Sie ist Mutter eines mittlerweile erwachsenen Sohnes und lebt in München.
Und doch: Unsere Sensibilität für die Bedürfnisse unserer Kinder versagt genau dort, wo sie besonders gefordert ist: in Sachen Schule. Früher war Schule Kindersache. Hatte man etwas nicht verstanden, fragte man beim Lehrer nach. Hausauf­gaben machte man allein, die Eltern kontrollierten nur, dass sie gemacht wurden, aber nicht wie. Dafür war immer die Schule zuständig.

Heute machen viele Eltern – vor allem solche aus bildungsbürgerlichen Schichten – sie zu ihrer Sache. Wenn zwei Eltern von Kindern ab sechs zusammenstehen, gibt es praktisch kein anderes Thema. Schon gar nicht in Bayern, wo das Thema "Übertritt" – also der Wechsel auf die weiterführende Schule – bereits ab der dritten Klasse in eine Art kollektive Elternpanik mündet. Nachhilfestunden für Neun­jährige inklusive. Und Nachprüfungen, bei denen schon mal Kinder wegen eines Nerven­zusammenbruchs vom Notarzt abgeholt werden müssen. Fragt man nach bei Eltern, warum ihr Leben – und das ­ihrer Kinder – von Proben, Klassenarbeiten, Referaten und Notendurchschnitten bestimmt wird, sagen alle das Gleiche: Bildung sei doch so wichtig, und der Schulabschluss entscheide nun mal über den weiteren Lebensweg. Da müsse man frühzeitig steuernd eingreifen.

Dass Joschka Fischer es ohne Abitur bis zum Außenminister und in der Welt geachteten Redner brachte, René Obermann trotz (im zweiten Semester!) abgebrochenen Studiums Vorstandschef der Deutschen Telekom wurde, SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück dank zweimaligen Sitzenbleibens erst mit 21 das Abiturzeugnis in der Hand hielt, Hilmar Kopper es allein mit einer Banklehre an die Spitze der Deutschen Bank schaffte und Thomas Mann, dessen Namen unzählige deutsche Schulen tragen, sich nach mehrmaligem Sitzenbleiben mit Ach und Krach durch die mittlere Reife schleppte – solche Beispiele beruhigen uns heutige Eltern leider nicht.

Wir lernen mit und: üben Druck aus

Andere Zeiten, andere Anforderungen? Vor allem: einseitigere Anforderungen. Gute Noten sind das Maß aller Dinge, das Abitur scheint die Eintrittskarte in ein ­gelungenes Leben zu sein. Dafür geben wir Eltern alles: Wir arbeiten mit, wir konzipieren Referate mit unseren Kind, finanzieren Sprachferien, üben gemeinsam für Klassenarbeiten, haben Verständnis – und üben Druck aus.

Wir opfern unsere Freizeit und oft genug den Familienfrieden. Nicht umsonst ist die Schule in Familien mit Kindern zwischen zehn und 16 Streitthema Nummer eins. Der Preis, den wir für die vermeintliche Garantie auf ein gutes Leben zahlen, ist hoch: Hinter dem Primat des Schulerfolgs, der guten, besser noch hervorragenden Note muss alles andere zurückstehen.

Die Vermittlung zivilisatorischer Grund­­techniken beispielsweise. Wir produzieren Abiturienten, die keinen Knopf annähen können, noch nie ein Hemd ge­bügelt, eine Lampe montiert, einen Kuchen gebacken, einen verstopften Abfluss gereinigt oder ein Baumhaus gezimmert haben. Wir zwingen Menschen im produktivsten Alter – zwischen 14 und 18 – zu einem ­passiven Leben: Ihnen wird Wissen vermittelt. In der Schule. Und zu Hause arbeiten sie das dann per Hausaufgabe nach.

 

Thomas Mann begann mit 16 seine Wanderzeit, Gesellen vieler Berufe haben das jahrhundertelang getan, und in der Steinzeit hat der 16-Jährige die Sippe angeführt, nachdem sein Vater mit 30 dafür schon zu alt war. Wo sind heute die Freiräume, in denen sich Jugendliche fordern und ausprobieren können? Wo die ganz praktischen Pflichten, die ihnen Lebenstüchtigkeit und Sicherheit geben? Beim Baby und Kleinkind respektieren wir das Prinzip der Selbstwirksamkeit und helfen unseren Kleinen, Erfolgserlebnisse zu haben. Auch wenn dazu gehört, dass sie vor lauter Begeisterung über ihre neue Fähigkeit, den Raum hell zu machen, hundert Mal den Lichtschalter drücken. Sobald die Kinder aber in die Schule kommen, ist Schluss mit lustig. Schülern fehlt die Möglichkeit, sich in praktischen Dingen zu beweisen. Vor allem eher hand­werklich begabte Kinder können ihr Potenzial nicht ausschöpfen, weil ihnen niemand die Chance dazu gibt. Sie erfahren keine Selbstwirksamkeit, und da sie spüren, dass ihre Fähigkeiten nicht gefragt sind, entwickeln sie auch kein ausgeprägtes Selbstbewusstsein.

Jugendliche, besonders Jungen, haben ihre eigene Art, mit solchen Erwartungen umzugehen: Bis zu 25 Prozent der Jungen eines Jahrgangs bleiben zwischen der achten und zehnten Klasse sitzen. Lernverweigerung gilt in diesen Gruppen als cool, es ist die sicherste Art, pubertäre Ablösung von den Eltern zu forcieren. Auch Phänomene wie Binge-Drinking sind nicht auf laxe Alkoholgesetze zurückzuführen, sondern darauf, dass es Jugendlichen an Herausforderungen fehlt. Und sie sich dann die falschen suchen: 20 Bier, um sich wenigstens mal wieder zu spüren.
Der namhafte Pubertätsforscher ­Ralph Dawirs, Neurobiologe und Forschungsleiter in der Uniklinik Erlangen, schlägt eine radikale Lösung vor: Er würde am liebsten alle Jugendlichen mit 14 aus der Schule in den Arbeitsprozess holen, und sie erst wieder zur Schule lassen, wenn sie durch Arbeit, Reisen, Mitarbeit in der Politik wissen, wie sie ihr weiteres Leben gestalten wollen. Dafür müsste man das gesamte Bildungssystem umkrempeln, und das wird sicher nicht passieren. Bislang denken wir, wie Dawirs uns vorwirft, "ja nicht einmal daran, den jungen Menschen auch nur ein kleines Machtzipfelchen zu überlassen".

Durch Hefeteig und Seifenkiste

Das können wir ändern. "Schulver­sager" muss es nicht geben. Wenn es Schulen gelingen würde, von Anfang an die praktischen Fähigkeiten ihrer Schüler zu fordern und zu fördern, kämen auch Schüler zu Erfolgserlebnissen, die sich mit der Theorie schwertun. Wer im Werken eine Seifenkiste zimmert, lernt ganz nebenbei eine Menge Physik und Mathe. Wer einen Hefeteig hinkriegt, hat einen Einblick in die Chemie bekommen und gesehen, dass er oder sie etwas leisten kann.

Es gibt Schulen, die Schüler rundum ("ganzheitlich") fördern. Viele Eltern haben gar nicht die Chance, ihren Kinder so zu helfen, dass sie im "Leistungszusammenhang" Schule funktionieren – vor allem dann nicht, wenn eine Schule praktische Begabungen gering achtet. Vielleicht kriegen wir Eltern es auch hin, das Thema Schule wieder etwas tie­fer zu hängen. In den ersten Jahren schaffen wir es doch, das Individuelle unseres Kindes, seine ganz eigene Persönlichkeit zu sehen. Wenn wir das in die Schulzeit hinüber­retten könnten, wäre schon viel gewonnen: für unsere Kinder, für uns, für den Familienfrieden.

Denn letztlich führt nicht der ein glückliches Leben, der mit dem besten Schulabschluss gestartet ist. Sondern Menschen, die sich so wertgeschätzt fühlen, wie sie sind, die im besten Sinn lebenstüchtig sind. Darüber entscheiden nicht Noten, sondern die Erfahrung: Ich kann etwas bewegen. Zu solchen Erfahrungen können wir unseren Kindern verhelfen.

Wer sich jetzt noch nicht traut, eine Drei als "befriedigend" und eine Vier als "ausreichend" zu empfinden, den tröste der Soziologe Heinz Bude. "Der Druck, den viele Eltern sich und ihren Kindern machen, ist vollkommen unnötig", sagt er. "Dank des demografischen Wandels wird jedes unserer Kinder auf dem Arbeitsmarkt gebraucht." Etwas mehr Gelassenheit dürfen wir uns also durchaus leisten.

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Lesermeinungen

Die Überschrift hat mir besonders gut gefallen - ich bin zwar keine Mutter, erlebe aber Grundschulkinder, die nach dem Hort (!) jeden Tag eine Stunde Nachhilfe haben, weil sie auf's Gymnasium sollen, denen das Kinderleben durch die Ansprüche ihrer Eltern vergällt wird. Auf der weiterführenden Schule geht es dann mit G8 weiter - die SchülerInnen stehen enorm unter Druck. Wo bleibt da noch Zeit für Projekte, für 'Experimente", für nach- mittägliches Trödeln?? Wer hat das gewollt?? Doch garantiert nicht die Schüler, bestimmt nicht die LehrerInnen, die jetzt Lerninhalte "auf die Schnelle" vermitteln müssen und auch nicht die Eltern, die ebenfalls unter Druck geraten. Es war eine politische und wirtschaftliche Entscheidung nach dem Motto "Deutschland kann sonst nicht mithalten". Warum sind wir alle nicht dagegen aufgestanden?? Es werden dadurch doch keine selbstständig denkenden Menschen erzogen. Wahrscheinlich war genau das gewollt. Die Hauptschulen müssten gestärkt werden, viel weniger SchülerInnen, viel mehr Lehrer, damit dort noch etwas erreicht werden kann. Stattdessen werden sie mit Realschulen zusammen gelegt. Ich empfinde diese Entscheidungen als ein ungeheures Armutszeugnis für uns alle!!

Frau Lewicki hat zum Teil recht. Unser Schulsystem ist und bleibt nicht für alle Kinder geeignet. Leider.
Aber auch ich, Vater von 4 Kindern bin der Meinung daß man nicht jedem alles nach seinen Neigungen und Wünschen anbieten kann.
Mich ärgert nur, daß die Lehrer heute einen auf gestresst machen, wo sie "nur" noch weniger als 30 Kinder/Klasse Unterricht und ihre Prüfungen, bzw. Unterrichtsmittel mal schnell aus dem Internet ´runterladen können (zu meiner Zeit war noch Schreibmaschine und Matrizen angesagt). In meiner Abschlußklasse saßen 42 Kinder/Jugendliche, nicht weniger aufmüpfig wie heute, von denen 1 keinen Abschluß geschafft hat. Das lag jedoch nicht am Lehrer. Heute wird bei Schulantritt gewünscht, den Kinder eben nicht zu helfen da sie doch das nötige Rüstzeug, sprich Lerninhalte, in der Schule bekommen. Dem ist nicht so. Den heutigen Lehrern ist, bis auf wenige Ausnahmen, nicht wichtig, ob alle verstanden habe, wovon der/die da vorne überhaupt reden. Da werden Durchfallquoten von 30% in 2 aufeinanderfolgenden Prüfungen zur Kenntnis genommen ohne sich ernsthaft zu hinterfragen. Wenn ein junger, intelligenter Mensch zweimal durchrauscht, sollte sich ein Pädagoge schon fragen, ob er das richtige Konzept hat.
Ich versuche meinen Kinder beizubringen und vorzuleben, daß alles im Leben Konsequenzen hat und daß jeder in unserem Land alles schaffen kann, wenn er WILL. Diesen Willen anzufeuern betrachte ich als meine Aufgabe, nicht Referate und Hausaufgaben zu machen. Kinder MÜSSEN lernen, daß sie selbst für ihr tun verantwortlich sind und als einzige ausbaden müssen, wenn die Entscheidung oder Handlung falsch war. Ich denke, es ist falsch, Kinder immer in Watte zu packen. Nur wer sich die Finger einmal verbrannt hat, weiß das Feuer heiß ist.

Danke an Marie-Luise Lewicki für diese wahren Worte: "Denn letztlich führt nicht der ein glückliches Leben, der mit dem besten Schulabschluss gestartet ist. Sondern Menschen, die sich so wertgeschätzt fühlen, wie sie sind, die im besten Sinn lebenstüchtig sind. Darüber entscheiden nicht Noten, sondern die Erfahrung: Ich kann etwas bewegen. Zu solchen Erfahrungen können wir unseren Kindern verhelfen."

Genau: Es geht nicht darum, unsere Schulen komplett zu ändern. Vielmehr geht es darum, unser heutiges Verständnis von Schule und Lernen zu überdenken und zu verändern. Wir brauchen heute eine neue Kultur des Lernens an unseren Schulen und in der Gesellschaft (- und zur Gesellschaft gehören die Familien) - damit wir die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können. Jedes Kind sollte erleben können, dass es seine Zukunft mitgestalten kann, es muss Verantwortungsbewusstsein entwickeln dürfen, sein Potenzial entfalten können.

Schule muss heute mehr als Wissensvermittlung sein, wie auch Margret Rasfeld, die innovative Schulleiterin der ESBZ aus Berlin immer wieder sagt. Vor einem Jahr hat sie die Initiative "Schule im Aufbruch" mitgegründet, die sich mit breiter gesellschaftlicher Unterstützung genau dafür einsetzt: Dafür, dass wir alle ein zeitgemäßes Verständnis von Schule entwickeln, und zwar für alle Kinder, für jede Schule. Artikel wie dieser hier von Marie-Luise Lewicki sind ein wichtiger Teil dieser Diskussion und regen zum Nachdenken über unsere Schulen an.

Soziologe Heinz Bude meint zukünftig "wird jedes unserer Kinder auf dem Arbeitsmarkt gebraucht." |
Es handelt sich hierbei um eine sich selbst tragende Behauptung, für die Ökonomen bessere "Zeugen" wären. Diese Behauptung ist - zumindest ohne stützende Argumente - nicht haltbar ! |
Warum ? (Ich muss verkürzen um den Platz nicht zu sprengen. ) |
Meist nicht bekannt, liegt der behaupteten Schrumpfung der Bevölkerung die "12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung" (12.BVB) des Stat.Bundesamtes zugrunde. Dort wir ERRECHNET, wie sich die Bevölkerung verändern würde, wenn bestimmte Annahmen einträfen, und nur die. Es ist, so sagt es das Bundesamt, KEINE VORHERSAGE !
Sie kann gleichwohl eintreffen. |
Was passiert dann ? Teilen wir die jeweilige Gesamtbevölkerung in drei Alterskohorten ein: bis 18 (in Ausbildung), bis 67 (erwerbsfähig), bis 100+x Jahre ('Rentner'). Wir schieben jetzt die drei Kohorten in diskreten Zeitabschnitten durch: ein Teil der Kohorte-18 wandert in die Kohorte-67, ein Teil der Kohorte-67 wandert in die Kohorte-100. Wenn die Kohortenteile jeweils gleich groß wären, würden die jeweilige Kohorte gleich groß bleiben. Mit einem Unterschied: die K-100 wird größer, weil dort durch Verlängerung des Lebensalters weniger heraus gehen als hinzu kommen. Und wir brauchten pro Frau 2,0x Geburten, damit sich mind. 2,0 fortpflanzen können. [ Für die Sexisten: das ist ein notwendige Rechnung, da "pro Mann" ohne die Zahl der Frauen nichts geht. Die Frauen sind hier biologisch der begrenzende Faktor.]
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Wir haben aber keine Geburtenrate [ je Frauenleben ] von 2,0x, sondern nur eine bei 1,3x...1,4x. Damit schrumpft zuerst die K-18, weil weniger Kinder geboren werden. Je nach realer Situation gleichen sich die fehlenden 0,7 bei den Geburten mit der Zunahme der K-100 durch das Längerleben aus: die Bevölkerung stagniert erst einmal. |
Nach der Modellrechnung der 12.BVB in der mittleren Modellvariante (es gibt derer drei) könnten wir in rd. 50 Jahren gegen heute etwa 15 Mio. Einwohner weniger sein.
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Diese 15 Millionen tauchen zuerst bei den nicht am Erwerbsleben teilnehmenden K-18 auf. Sie konsumieren weniger, da nicht vorhanden. Da wir unser heutiges BIP mit - sagen wir nur zum Verständnis - etwa 70% unserer Erwerbskapzität erwirtschaften, davon aber 50% exportieren, mit einem Überschuss des Export über die Importe von (über den Daumen gepeilt) von 20% (rd. 500 Mrd. €) bleiben Fragen, ob wir so weiter machen können, ob wir so weiter machen wollen ? Wir müssten, um unser Produktionskapital auszulasten noch mehr, gemessen an inländischen Verbrauch, netto exportieren, da uns zunehmend bis zu 20% der Bevölkerung als Verbraucher fehlen würden. Anderswo schrumpft die Bevölkerung aber auch (Folgen: siehe oben !)
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Noch mehr arbeiten für noch mehr Hedonismus ? Möglichst viele Frauen und Männer in abhängige Erwerbsverhältnisse bringen ? Zu wessen Nutzen ? Zu wessen Schaden ? Der Schaden ist heute bereits sichtbar. Per Saldo ist unser Exportüberschuss das (Staats-)Defizit der Anderen. Wollen wir das erhöhen ? Wer zahlt uns das Ergebnis unserer Anstrengungen zurück ? Wer hat einen Vorteil von solchem merkantilistischen Egoismus und solcher Hybris ? Natürlich die, die an diesem Produktionsvolumen und der exzessiven Auslastung der Produktion einschl. - und ich benutze das Wort nicht sehr gerne - der Ausbeutung weiterer Teile der Bevölkerung durch Kapitalgewinne Vorteile haben.
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Nur, wir haben heute bereits 20 ... 30% des Erwerbspotentials für den heutigen Bevölkerungsstand nicht ausgeschöpft. Nicht etwa nur durch ArbeitsLOSIGKEIT, sondern durch massive UNTERBESCHÄFTIGUNG.

Dieser Artikel in "Chrismon" macht mich richtig wütend. Behauptet doch die Autorin schlicht und einfach dies: "Unser (schulisches) Bildungssystem war und ist völlig unsinnig!" Wen dem tatsächlich so wäre, woher stammen all' die klugen, fähigen, kreativen Menschen, die durch dieses fürchterliche System gegangen sind und die unser Land zu dem gemacht haben, was es heute ist? Dass das Sytem reformiert werden muss - keine Frage, die Welt von heute verlangt das einfach. Aber es schlicht zu verteufeln und völlig undurchführbare Alternativen anzupreisen ,und das dazu noch in einer so renommierten "Eltern"-Zeitschrift, das halte ich für unmöglich! Die "Schule", die in diesem Artikel gefordert wird, ist schlicht und einfach keine Schule mehr, sondern eine sozialpädagogische Einrichtung, welche die Schüler "von der Wiege bis zur Bahre" sorgsam umhüllt! Sie soll im Grunde sogar das ersetzen und leisten, was eigentlich Aufgabe der Eltern ist und sie soll deshalb die Schüler möglichst lange von diesen fern halten, weil die das nicht mehr leisten können oder wollen. Diese Schule ist keine Einrichtung mehr, in der die Grundlagen gelegt werden, auf denen junge Menschen dann ihr jeweils individuelles Leben aufbauen können. Dass dies dann auf mannigfaltige Weise geschehen kann, ist eine Binsenweisheit. Und wer, bitte, soll all das vermitteln? Lehrer etwa? Was befähigt sie dazu, diese "Allrounder" zu sein, die alles das, was von der Schule gefordert wird, und es kommen immer neue Forderungen aus allen gesellschaftlichen Richtungen dazu (wie z.B. das Annähen von Knöpfen durch Abiturienten etwa ...) zu vermitteln?
Nein, dieser Artikel hat mit Sicherheit nichts zur Aufhellung des dichten Nebels, der augenblicklich durch die deutsche Bildungslandschaft wabert, beigetragen. Er hat ihn eher noch mehr "verdichtet"!