Witwenhilfe in Nigeria

Wieder aufgestanden
Witwen in Maiduguri

Foto: Bitrus Istifanus

Geld und Schulmaterial, Hilfe zum Überleben - für die Witwen in Maiduguri

Nach Boko-Haram-Überfällen organisieren sich die Witwen

Nachts kommen die Pick-ups ins Dorf gerast. Bewaffnete steigen aus, überfallen ein Haus nach dem anderen oder treiben die Bevölkerung zusammen. Ermorden die ­Männer, vergewaltigen die Frauen, plündern die Häuser und fackeln sie danach ab. So ­beschreiben Überlebende die Überfälle der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram in Nigerias nord-östlichem Bundestaat Borno.

Die Mainzer Pfarrerin Renate Ellmenreich kennt viele solcher Geschichten. Sie arbeitete von 1999 bis 2004 in Bornos Hauptstadt Maiduguri und hat heute noch engen Kontakt dorthin. Sie sorgt sich besonders um die Frauen nach solchen Überfällen. Witwen seien in dieser Region fast rechtlos, sagt sie.

Sie dürfen allein kein Geschäft führen, kein Feld besitzen, kein Bankkonto eröffnen. In Maiduguri, wohin viele geflohen sind und bei Verwandten oder auf Schul- und Kirchhöfen leben, haben Witwen nun einen Verein gegründet. Etwa 2000 Frauen sind dabei, sie  helfen sich gegenseitig, den Lebensunterhalt zu bestreiten, etwa durch den Verkauf von selbst gebackenem Brot oder mit Näh­arbeiten. Renate Ellmenreich hat in Deutschland begonnen, Spenden zu sammeln, um sie finanziell zu unterstützen.

Fragen an Pfarrerin Renate Ellmenreich,  die den Witwenverein unterstützt

Wie schaffen es die Frauen, nach den Überfällen überhaupt weiterzumachen?

Ich hörte von Frauen, die in einer Kirche ­unterkamen. Sie hätten in den ersten Tagen nur auf dem Boden gelegen, fast bewegungs­los, die Köpfe mit Erde beschmiert – dem Zeichen der Trauer. Letztendlich haben die Kinder, die sie versorgen mussten, wohl ­bewirkt, dass sie wieder aufstanden. 

Was brauchen sie jetzt am nötigsten?

Seife, Kleidung, Reis, Schulhefte für die ­Kinder. Ein gewähltes Leitungskomitee ermittelt, was von den Geldspenden gekauft wird, und verteilt dies.

Boko Haram greift wiederholt auch Maiduguri an. Lohnt es sich in dieser Krisensituation überhaupt noch zu spenden?

Ich habe gestern mit einer Frau aus dem ­Komitee telefoniert. Das Militär schützt die Stadt noch. Und es kommen immer mehr Frauen. Unsere Hilfe ist weiter bitter nötig.

Spendenkontakt: 

Widows Care e.V., Moltkestr. 1,

55118 Mainz, Tel: 06131/613955,
renate.ellmenreich@gmail.com

Bankverbindung

Widows Care e. V., Evangelische Bank eG,
IBAN: DE43 5206 0410 0104 9488 66,
BIC: GEN O DEF 1 EK 1, Stichwort: chrismon.
Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben.

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