Wer jetzt kein Haus hat...

Berliner „Frostschutzengel“ kümmern sich um obdachlose Migranten

 Durch die Pappkartons dringt der Bodenfrost da bringen auch löchrige Decken oder Schlafsäcke nicht viel: Winternächte können lebensgefährlich sein für Menschen, die auf der Straße leben. In Berlin, wo es etwa 11 000 Wohnsitzlose gibt, öffnen deshalb seit 1989 im Winter die Einrichtungen der Kältehilfe: Notübernachtungen, Nachtcafés, Suppen­küchen.

Seit der EU-Grenzöffnung Richtung Os­ten fällt Mitarbeitern auf, dass viele Menschen aus Polen, Rumänien, Bulgarien und den baltischen Staaten kommen, oft mit geringen Sprachkenntnissen. Viele seien bei dem Versuch, hier Geld zu verdienen, gescheitert, andere bereits vorher obdachlos gewesen. Die deutschen Behörden fühlten sich nicht zuständig, somit bekämen diese Menschen kaum Unterstützung.
Die Berliner GEBEWO (Gesellschaft zur Betreuung Wohnungsloser) schickt nun erstmals drei „Frostschutzengel“ los: geschulte Berater, die die Sprache der Migranten sprechen und ihnen bei ersten Schritten Richtung Wohnung und Job helfen. Die drei sind seit 1. November in den Einrichtungen der Kältehilfe unterwegs. Ihre Stellen werden rein über Spenden finanziert, deshalb bittet die GEBEWO um Unterstützung.

 

Fragen an Marie-Therese Reichenbach,  28, Berliner „Frostschutzengel“

 

In einem fremden Land obdachlos sein, was bedeutet das?  
Diese Migranten stehen in doppelter Weise draußen, das macht sie besonders verletzlich. Nicht nur, dass sie weniger Rechte haben. Sie kennen auch die Ämter nicht, die helfen könnten, oder trauen diesen nicht. Osteuro­päer, im Kommunismus aufgewachsen, fürchten oft staatliche Willkür.


Und dann?
Rutschen sie schnell ab. Ich kenne einen ­jungen Koch aus Lettland. Er wollte in Berlin Geld verdienen, für Frau und Kind zu Hause. Fand keinen Job, keine Wohnung, begann zu trinken. Und schämte sich so, gescheitert zu sein, dass er nicht zurückgehen wollte. 


Europa ist zusammengewachsen – sind das die Folgen? 
Durchlässige Grenzen sind gut. Aber man muss auch für diejenigen Verantwortung tragen, die kommen und nicht erfolgreich sind.

Spendenkontakt: 

GEBEWO
Soziale Dienste
Berlin gGmbH
Geibelstraße 77/78
12305 Berlin
Telefon: 030/70 78 44 90
Fax: 030/70 78 44 92
E-Mail: geschaeftsstelle@gebewo.de
Internet: www.frostschutzengel.info


Bankverbindung
Bank für Sozialwirtschaft
BLZ: 100 205 00
Konto: 33 601 02
Stichwort: chrismon/Frostschutzengel
Für die Spendenquit­tung bitte die eigene Anschrift
im Betrefffeld der Überweisung angeben

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