Schwimmkurse für Geflüchtete

Die Freischwimmer
Die Freischwimmer

Masrat Zahra

Fröhliche Runde: Schwimmlehrerin Yolanda Torlach inmitten ihrer Kursteilnehmer

Die Freischwimmer

Viele Menschen würden noch leben, wenn sie schwimmen könnten. Ein Verein in Hamburg gibt Schwimmunterricht - auch für Geflüchtete.

Samstag, gegen 18 Uhr. Vor der Schwimmhalle im Swatten Weg 10 in Hamburg-Lurup trifft sich eine Männer-Schwimmgruppe, sieben Geflüchtete aus verschiedenen Ländern, auch ein Junge ist dabei. Einige von ihnen kommen seit über einem Jahr, andere sind neu.

Los geht’s wie immer mit einem Ritual, einem kleinen Tauchwettkampf. Yolanda Torlach wirft Ringe ins freundlich türkis schillernde Becken. Es wird viel gelacht, keiner hat Angst vor dem Wasser. Das ist nicht immer so, sagt Yolanda. Sie war mal Leistungsschwimmerin, hat die ­Trainerlizenz und das Rettungsschwimmabzeichen der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e. V. (DLRG), und ist seit Jahren ehrenamtliche Schwimmlehrerin hier in ­Lurup. "Es gibt Flüchtlinge, die erzählen mir irgendwann, dass jemand aus ihrer Familie ertrinken musste, weil er oder sie nicht schwimmen konnte." Manchmal brauchen diese Menschen Monate, um sich überhaupt ins Wasser zu trauen.

Sie sollen einfach schwimmen lernen

Was die Kursteilnehmer über sich preisgeben, ist natürlich ihre Sache. Die Idee hinter dem Projekt ist "Barrierefreiheit" in jeder Hinsicht – ein unkomplizierter Zugang zu einem Sportangebot, das die Geflüchteten sich sonst nicht leisten könnten. "Sie wollen einfach Schwimmen lernen. Und ich bringe es ihnen bei", sagt Yolanda. Dass die Kurse seit einiger Zeit nach Geschlechtern getrennt sind, war ein Wunsch der Frauen; sie wollten für sich sein.

Das Schwimmbad im Swatten Weg gehört einem gemeinnützigen Verein: dem Luruper Förderverein Integration durch Schwimmen e. V., kurz LuFisch e. V. Die zweite Vorsitzende Katja Prahl erzählt aus der Gründungsphase: 2005 hatte die Stadt Hamburg alle ihre Schulschwimm­becken geschlossen. Schulschwimmen findet seither in den städtischen Bädern statt. Das nur 8 x 10 Meter große, über eine Treppe auch für Menschen mit Beeinträchtigung zugängliche Becken am Swatten Weg sollte wie viele andere Schulschwimmbecken abgerissen werden. Eine Eltern­initiative wehrte sich, gründete den Verein und betreibt das Becken seither. "Wir vermieten an den DLRG, an Volkshochschulen, Vereine und Schwimmschulen", berichtet Katja Prahl, selbst Schwimmlehrerin und Betreiberin ­einer Kinderschwimmschule. Zum Angebot gehören derzeit auch ein Frauenschwimmkurs, Reha, Wassergymnastik.

Willkommenskultur in der Kirchengemeinde

Die Flüchtlingsgruppe kommt über das WillkommensKulturHaus der Kirchengemeinde Ottensen und mietet das Becken für einen sehr geringen Preis. Drei Euro zahlen Erwachsene pro Stunde, Kinder die Hälfte. Alles funktioniert nur mit viel ehrenamtlicher Arbeit und Engagement. Die findet Katja Prahl dringend notwendig. Denn: "Wir merken ganz deutlich, dass immer weniger Menschen ­schwimmen können, egal ob sie nun Flüchtlinge sind oder hier ge­boren."

Mitarbeit: Abbas Aldeiri

Spendeninfo

6000 Euro pro Monat kostet der Betrieb des Lehrschwimmbeckens. Das Angebot von LuFisch e. V. richtet sich vor allem an Menschen, die finanzielle Unterstützung ­brauchen oder sonst auf Hilfe angewiesen sind. ­Gespendet werden kann an den Verein. Oder gezielt an ein Projekt wie die Flüchtlings-Schwimmgruppe.

LuFisch e.V.
Hamburger Sparkasse
IBAN: DE71200505501053212047

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