Mädchenbildung Afghanistan

Die Welt da draußen
Junge afghanische Frauen lernen sticken - und schreiben

Afghanistan-Schulen e.V.

Junge afghanische Frauen lernen sticken - und schreiben

Junge afghanische Frauen lernen sticken - und schreiben

Die 20-jährige Mobina aus einem afghanischen Dorf schafft vielleicht, Lehrerin zu werden – ein deutscher Verein eröffnet die Möglichkeiten dazu.

Mobina ist weiter gekommen als viele andere. Die 20-Jährige mit dem wachen Blick lernte lesen und schreiben – das können nur knapp 40 Prozent der Afghanen. Sie erfüllte die neunjährige Schulpflicht – wie weniger als ein Viertel der Jugendlichen. Und sie schloss die 12. Klasse der Oberschule erfolgreich ab – das schaffen nur zehn Prozent.

Und jetzt? Hockt die junge Frau zu Hause, putzt, kocht, stickt für die sechzehnköpfige Familie. Liest kleinformatige Bücher, weil sie die besser verstecken kann. Und ist froh, wenn sie mal rauskommt, um ihre Freundinnen zu treffen – ein Dutzend gut gebildeter junger Frauen im Dorf Khan Char Bagh, in dem es nach der Oberschule keine berufliche Perspektive zu geben scheint. Zum Weiterlernen müsste Mobina in die nächste Stadt, das ist teuer, die Wege sind unsicher, und ihre Familie würde das nicht zulassen. Außerdem: Was bringt das? Einige ihrer Freundinnen haben studiert und sind fertige Lehrerinnen, aber sie finden keinen Job. Das liegt nicht nur an der hohen Arbeitslosigkeit von 40 Prozent in Afghanistan. "An die wenigen Stellen für Lehrerinnen kommt man nur mit Bestechungsgeldern heran", sagt Marga Flader vom deutschen Verein "Afghanistan-Schulen", der seit 1983 Schulbauten und Ausbildungskurse in Nordwesten fördert.

Hanna Lucassen

Hanna Lucassen ist freie Journalistin in Frankfurt/Main. Sie kommt aus Flensburg, ist ausgebildete Krankenschwester, hat Soziologie studiert und bei einer Fachzeitschrift volontiert. Bei chrismon und chrismon plus ist sie zuständig für die Rubriken "Das Projekt" und "E-Mail aus". Bei der Fastenaktion "7 Wochen Ohne" arbeitet sie als Textredakteurin am Fastenkalender und dem Themenheft "Zutaten" mit.  
Lena UphoffPortrait Hanna Lucassen, Redaktion chrismon, Redaktions-Portraits Maerz 2017

Für die jungen Frauen sei die Beschäftigungslosigkeit besonders bitter. Sie haben oft Kämpfe in ihren Familien ausgefochten, um zur Schule oder Universität gehen zu können. Nun scheinen sie der lebende Beweis dafür, dass es sich doch nicht lohnt, in die Bildung von Töchtern zu investieren. Manche von ihnen litten unter Depressionen, sagt Marga Flader. Psychische Krankheiten sind nicht selten in Afghanistan. "Die jungen Leute leben in einem Konflikt. Auf der einen Seite sind da die traditionellen und religiösen Regeln, mit denen sie aufwuchsen. Auf der anderen Seite lockt die ‚Welt da draußen‘, die sie über soziale Netzwerke oder beim Schulbesuch kennenlernen."

Ist gute Bildung eine Sackgasse? Nein, findet Marga Flader, aber eben auch kein Selbstläufer. Man müsse die Schulabgänger begleiten, mit ihnen nach Perspektiven suchen, wo es keine zu geben scheint. In Khan Char Bagh sprach eine afghanische Vereinsmitarbeiterin mit den Eltern von Modina und den anderen. Sie mietete einen Raum an, in dem sich die jungen Frauen nun täglich für zwei Stunden treffen. Anfangs zum Sticken mit einer Handarbeitslehrerin. Mittlerweile haben sie auch professionellen Schreibunterricht – und ein Ziel: Sie wollen die Geschichten der Frauen aus der Gegend aufschreiben. Modina hat schon angefangen.

Spendeninfo

Der Verein Afghanistan Schulen baut seit 1983 in der Gegend um Andkhoi in Nordwest-Afghanistan Schulen und unterstützt die Bildung durch praktische Ausbildungskurse.   Afghanistan-Schulen

Bankverbindung:
Hamburger Sparkasse
BIC: HASPDEHH
IBAN: DE37 2005 0550 1008 2258 05

 

 

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.