Lesen lernen!

Die Gesellschaft von innen her ändern. Das will ein Bildungsprojekt für afghanische Frauen

"Beim Lesen fühle ich mich, als wäre ich von den Toten auferstanden." Suhaila musste 20 Jahre alt werden, um zum ersten Mal in ihrem Leben ein Buch in die Hand zu bekommen. Seit einigen Monaten besucht sie regelmäßig das Frauenbildungszentrum in Shahrak. Das Dorf liegt ganz in der Nähe von Herat, der zweitgrößten Stadt in Afghanistan. Wie alle Frauen im Land lernte Suhaila schon in ihrer Kindheit: "Ich bin kein Mensch, sondern eine Frau und damit ein Problem für die Gesellschaft." Während sich in der Haupstadt Kabul dieses Bild langsam wandelt, verbieten die Väter auf dem Land ihren Töchtern immer noch den Schulbesuch. Etwa 90 Prozent der Frauen können nicht lesen. Das Frauenzentrum in Shahrak wurde 2003 von einer regionalen Initiative gegründet und wird heute durch Terre des Femmes aus Deutschland finanziell unterstützt. Die Alphabetisierungskurse für Mädchen dauern drei Jahre. Die ersten 30 Mädchen schafften 2007 die Aufnahmeprüfung zu einer staatlichen Schule. In weiteren Kursen lernen erwachsene Frauen nähen, EDV und Englisch. Verpflichtend für alle ist das Begleitprogramm: Da geht es um Kindererziehung, Gleichberechtigung - und den Sinn von Bildung.

 

Fragen an Aqila Nazari, Leiterin des Frauenbildungszentrums in Shahrak.

chrismon: Die politische Situation in Afghanistan verschärft sich. Bringt die Hilfe für Frauen zurzeit überhaupt etwas? 
Aqila Nazari:
Ja, es wird schwieriger. Gerade deshalb ist Bildung für Frauen wichtiger denn je: Nur wir selbst können von innen her die Gesellschaft, und damit auch die Politik,  ändern.

Was machen Sie mit 100 Euro?
Damit können wir die Raummiete des Zentrums für ein halbes Jahr bezahlen.

Unterstützen die Frauen Ihr Projekt?
Ja, sehr! Wir gehören zur Ethnie der Hasara, die in Frauenfragen als relativ liberal gilt. Das erleichtert uns die Arbeit, zumal wir alle Angebote in Teamarbeit mit den Teilnehmerinnen erstellen. Mittlerweile haben wir lange Wartelisten. Unser wichtigstes Projekt ist jetzt der Bau eines eigenen Hauses. Wir liegen im Einzugsgebiet von Herat. Die Mieten steigen ständig.

Spendenkontakt: 

Terre des Femmes Kreissparkasse Tübingen, BLZ 641 500 20, Kontonummer 273 26 06. Stichwort: chrismon. Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben. Etat 2007 Spenden für das Zentrum (bis 15.12.) 11900 Euro.
Adresse Terres des  Femmes, Konrad-Adenauer-Str. 40, 72072 Tübingen, Telefon 070 71 / 79 73-0, Fax 070 71 / 79 73-22, www.frauenrechte.de


 

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