Kulturarbeit in Nicaragua

Singen und tanzen - jetzt erst recht
Das Projekt - Kinderkulturzentrum Nicaragua

Pan Y Arte e.V.

Das Projekt - Kinderkulturzentrum Nicaragua

Nicaragua steckt in der Krise. Wie es ein Kinderkulturzentrum schafft, dennoch Freiräume zu bieten

Ein Junge spielt auf dem Cello Vivaldi, Mädchen in weißen weiten Röcken üben traditionelle Tänze im Hof, eine Theatergruppe feilt an ihrem neuen Stück – Alltag im Kulturzentrum "Casa de los Tres Mundos" (deutsch: Haus der drei Welten). Das große gelbe Haus im Kolonialstil steht im Zentrum von Granada. Jeden Nachmittag strömen Kinder aus allen Stadtteilen hierher, malen und dichten, belegen Kurse in Theaterspiel, Gesang oder Tanz. 350 Mädchen und Jungen sind es pro Woche, unter ihnen viele, die Gewalt und wirtschaftliche Not kennen, sagt der stellvertretende Direktor Johannes Kranz.

Land in Not

Rund 40 Prozent der Bevölkerung Nicaraguas leben in Armut. Zudem steckt das Land in einer Krise. Im April 2018 begannen landesweit Proteste gegen den autoritär regierenden Staatschef Daniel Ortega. Die Regierung geht seitdem massiv gegen Kritiker vor. Hunderte Menschen kamen bislang ums Leben, Tausende wurden verletzt. Zahlreiche Oppositionelle sind inzwischen aus dem Land geflohen. Auch die Casa musste ihr Programm zwischenzeitlich einschränken, Barrikaden und Straßenkämpfe blockierten die Wege durch die Stadt. Sich zur politischen Situation zu äußern sei zu riskant, sagt Kranz: "Wir fliegen unterm Radar und überleben." Aber es sei auch gut, dass die Casa ein neutraler Ort ist. So könnten sich Menschen annähern, deren Familien oder Dörfer entzweit sind. "Unser Selbstverständnis ist: Wir wollen Brücken schlagen." Das steckt auch im Namen: Mit den drei Welten sind die indigene, die afrikanische und die europäische gemeint, die hier zusammengeführt werden.

Ein zweites Zuhause

Jede und jeder soll Zugang zu Bildung und Kultur haben. Mit dieser Grundidee hatten der österreichische Schauspieler Dietmar Schönherr und der damalige nicaraguanische Kulturminister und Befreiungstheologe Ernesto Cardenal 1992 die Casa gegründet. Kulturelle Bildung hat bis heute in den Schulen wenig Platz.
In den kreativen Kursen der Casa lernen die Kinder, Gefühle und Kritik auszudrücken und ihre Stärken selbstbewusst zu präsentieren. Sie merken: Zusammen mit anderen können sie etwas bewegen.

Johanna Bergner

Johanna Bergner studiert evangelische Theologie in Marburg und absolvierte im Februar und März 2019 ein journalistisches Praktikum in der chrismon-Redaktion.
Lena UphoffJohanna Bergner, Redaktions-Praktikantin

Das Haus eröffnet Zukunftsperspektiven: Der 16-jährige José Alvarez aus einem der ärmeren Viertel hat seine Liebe zum Cello entdeckt – und blüht nun dank eines Stipendiums richtig auf. Ein anderer ist heute Berufsmusiker in Deutschland.

Abstand zur Gewalt

Unter den heute 57 Angestellten sind auch viele ehemalige Kursteilnehmer. Sie wüssten aus eigener Erfahrung, wie wichtig ein solcher Ort für Kinder sei. Erst recht, wenn draußen Bürgerkriegsstimmung herrscht. Kranz sagt: "Die Kinder finden hier Abstand zu der Not und Gewalt, die ihr Leben gerade mehr denn je bestimmen."

Spendeninfo

Zur Unterstützung des Kulturzentrums Casa de los Tres Mundos in Granada gründete Dietmar Schönherr im Jahre 1994 den Verein Pan y Arte - Brot und Kunst für Nicaragua. Der Verein fördert mittlerweile vier weitere kulturelle Bildungsprojekte in Nicaragua und ist auf Spenden angewiesen.

Pan y Arte e.V.
Rothenburg 41
48143 Münster
Tel.: 0251 – 488 20 50
info@panyarte.de
www.panyarte.de

Spendenkonto für die "Casa de los Tres Mundos"
Bank für Sozialwirtschaft Köln
IBAN: DE90 3702 0500 0008 3700 00
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: chrismon/Casa

 

 

Leseempfehlung

Nahomi dichtet, Maria spielt Theater - vier nicaraguanische Kinder im Kurzporträt

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.