Initiative gegen Welpenhandel

So süße Knopfaugen!
Hundewelpen in einem Pappkarton in Bukarest

Four Paws

Pekinesenwelpen aus illegalem Handel: vielleicht krank, vielleicht verhaltensgestört

Romania, Bucharest 2013 Illegal Puppy Trade For sale: pekinese puppies in a box

Der illegale Handel mit Hundebabys boomt. Eine Stiftung klärt auf.

Dieser stechende Geruch war immer das Schlimmste. Birgitt Thiesmann ist in vielen Kellern und Schuppen gewesen, in denen Hündinnen gefangen sind, um Nachwuchs zu produzieren. "Vermehrungsstation" heißt das im Fachjargon. In den Videos der Tierschützerin sieht man unterernährte Tiere in dreckigen Verschlägen, man hört Jaulen. Aber man sieht nicht den Ammoniakgeruch, der durch Kot und Urin der Tiere entsteht, und der einem den Atem nehmen kann. "Ich dachte, ich ersticke hier drin."

Hunde gegen die Einsamkeit

Seit Beginn der Corona-Pandemie wollen immer mehr Menschen in Deutschland ein Haustier. Homeoffice und Kontaktbeschränkungen machen einsam. Hundebabys sind besonders beliebt. Ist auch praktisch: Gassi gehen durfte man auch während der nächtlichen Ausgangs­sperren.

Der illegale Handel blüht. Von 2019 auf 2020 haben sich die Fälle verdreifacht. 1054 Hunde wurden 2020 aufge­griffen, die Dunkelziffer ist sehr viel höher. Birgitt ­Thiesmann arbeitet seit zwölf Jahren für die Tierschutz­organisation "Vier Pfoten" und beobachtet: "Für die Händler ist das ­lukrativer denn je. Vor Corona haben sie für einen Welpen 100 oder 200 Euro bekommen, heute ab 1000 Euro aufwärts."

Süße Fotos auf E-Bay

Die Handelskette beginnt meistens in Ge­höften in Polen und Tschechien. Die Muttertiere werden dort festgehalten ohne Auslauf und frische Luft, sie bekommen billiges Futter, auch vergammeltes Fleisch, sagt Thiesmann. Die Welpen blieben viel zu kurz bei der ­Mutter – das deutsche Tierschutzgesetz schreibt mindestens acht Wochen vor, Fahrer brächten sie in ­Transportern über die Grenze. Händler in Deutschland inserieren dann mit niedlichen Fotos auf Verkaufsportalen wie eBay und finden schnell Käufer. Die neuen Besitzer aber zahlen nicht nur beim Tierarzt drauf. Die Welpen sind oft krank und verhaltensgestört. Sie bringen ihre Vergangenheit mit.

Das ist verdächtig

Was also beachten, wenn man einen Hund ­anschaffen möchte? "Zuerst sollte man im örtlichen Tierheim nach einem passenden Weggefährten schauen", sagt Birgitt Thiesmann. Wird man dort nicht fündig und sucht in ­Onlineportalen, ist oft schwer zu erkennen, ob hinter der Annonce mit kuschelnden Teckelbabys vielleicht kriminelle Händler stecken. "Vier Pfoten" fordert, den Online­handel mit Tieren zu regulieren.

Ist nur eine Handy­nummer und keine Postadresse angegeben, könne das ein Indiz für ­illegalen Handel sein, sagt Thiesmann. Die ­Hundemutter ist auf den Fotos nie dabei? Der Verkäufer sagt beim ersten Anruf, ich könne gleich eines mitnehmen? Ebenso verdächtig wie: Der Verkäufer stellt keine Fragen. "Seriöse Züchter wollen wissen, ob es dem Hund bei ­Ihnen gut gehen wird." Mehrere Besuche und Gespräche seien normal – eine kurze Übergabe auf einem Parkplatz ist es nicht.

Infobox

Vier Pfoten – Stiftung für Tierschutz klärt unter anderem über illegalen ­Welpen­handel auf und initiierte mit ­anderen Organisationen die Kampagne "Wühltisch­welpen – nein danke".

Leseempfehlung

Der Glaube, Menschen dürften sich Tiere unterwerfen, hat üble Folgen. Was die Bibel sagt, lässt sich auch anders lesen
DIE EPOCHE DES MENSCHEN
Nicht wieder gut zu machende Eingriffe: Ein engagiertes Filmemachertrio aus Kanada liefert eine Rundum-Abrechnung mit dem Anthropozän und unterstreicht sie mit beeindruckenden Bildern
Anfänge - Palästinensisches Tierheim
Die Christin führt ein Tierheim bei Bethlehem. Einfach ist das nicht
Es gibt immer weniger Vögel in Deutschland. Was kann man tun? 
Der Vogelexperte Peter Berthold hat Ideen, 
wie man den Schwund wenigstens bremsen könnte

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.