Im Zentrum für trauernde Kinder und Familien ist Platz für alle Gefühle

,,Kinder und Jugendliche trauern in Pfützen“, sagt Simone Rönick, Gründerin des Berliner Vereins Trauerzeit. „Sie springen hinein oder werden hineingestoßen durch bestimmte
Geräusche oder Gerüche. Und sie springen auch wieder heraus.“ Zwischendurch mit Freunden albern sein oder einfach spielen, das schützt sie. Simone Rönick hat selbst ihre Schwester verloren und später ihren Mann. Als Therapeutin und Trauerbegleiterin initiierte sie 2004 erste Gruppen für junge Trauernde, gründete 2009 ein Zentrum im Prenzlauer Berg und bietet dort mit einem gut ausgebildeten kleinen Team Beratungen und Gruppen für Kinder, Jugendliche und jung Verwitwete an. Kinder basteln dort Erinnerungskisten, spielen mit einem Clown oder können im Toberaum Wut und Verzweiflung rauslassen – dringend notwendig, weiß Rönick. Denn oft unterdrückten sie zu Hause ihre Gefühle, um die Restfamilie nicht noch mehr zu belasten. Jugendämter, Schulen, Krankenhäuser und Hospizdienste schicken Betroffene ins Zentrum, viele rufen auch selbst an. Da der gemeinnützige Verein kein öffentliches Geld erhält, sucht er dringend Sponsoren, die vor allem für Miet- und Personalkosten spenden.

Fragen an Sarah, 15, Teilnehmerin der Teens-Trauergruppe

Dein Vater starb vor eineinhalb Jahren an Krebs. Das war sicher schrecklich.
Ja, wie ein Sturz in die Tiefe. Ich war Papas Liebling. Er hat mir viel beigebracht, ich kann Möbel zusammenbauen, fast alles reparieren. Ich kann manchmal kaum glauben, dass er tot ist. Ich hab ihn zu Hause bis zum Schluss gepflegt.

Gab es danach eine Schonzeit für dich?
Nein. In der Schule ging es gleich weiter ohne Rücksicht. Ich sollte in Bio einen Vortrag über das Gehirn halten. Das habe ich aber abgelehnt. Mein Vater war schließlich an einem Hirntumor verstorben.

Warum kommst du in die Trauergruppe?
Ich kann auch heute noch nicht mit jedem über meinen Vater sprechen. Die Leute hier aber wissen, wie es einem dabei ging oder jetzt geht. Und verstehen einen. Hier darfst du sein, wie du willst. Es ist chillig. Man kann reden, muss aber nicht.

Spendenkontakt: 

TrauerZeit Berlin,
Zentrum für trauernde Kinder und Familien, Berlin Brandenburg e. V.
Ueckermünder Str. 1
10439 Berlin
Telefon: 030 / 447 179 14
E-Mail: info@trauerzeit-berlin.de
www.trauerzeit-berlin.de

Bankverbindung:
Berliner Volksbank
Konto: 2264 549 003, BLZ: 100 900 00
Stichwort: chrismon
Für die Spendenquittung unbedingt die eigene
Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.

Lesermeinungen

Wenn Mama oder Papa im Himmel sind dann ist das schönste Geschenk: eine Weihnachtsfeier im Trauerverein unter Kindern, deren Verwandte nicht mehr da sind und unter neuen Freunden, die wie eine Familie das gemeinsame Leid teilen und dankbar sind. Schenken Sie Lebensfreude zu Weihnachten und spenden Sie für den Ort, der trauernde Kinder wieder lachen lässt. http://www.trauerzeit-berlin.de/index.html

Alles, was ich über Ihre Arbeit gehört oder gelesen habe, bewegt mich sehr. Einen solchen Ort zu haben, in dem Trauer Platz hat und bearbeitet werden kann, langsam wieder Licht in verdunkelte Lebensgeschichten, vom Tod und Verlust überschattete Biographien, kommen kann - wie wundervoll. Alles Gute Ihnen allen miteinander auf diesem Weg, in dieser segensreichen Arbeit. In der Hoffnung, Ihnen auch Sponsoren zuführen zu können, herzliche Grüße! Ein Bewunderer

... genau das kann man übrigens lernen bei uns im Zentrum für trauernde Kinder und Familien in Berlin. "Kinder begegnen dem Tod - wie wir sie besser begleiten können" heißt die Seminarreihe, die jährlich im Zentrum angeboten wird. Alle Infos hierzu gibt es auf der Homepage unter www.trauerzeit-berlin.de unter Fortbildung!

Kinder, die ein Familienmitglied verloren haben, sind oft sehr froh und dankbar, wenn Bekannte wie Sie, die ja die Mutter des Kindes auch gut kannte, einfach ganz normal von der Mama sprechen. Für trauernde Kinder gehören verstorbene Eltern oder Geschwister ein Leben lang zum eigenen Leben dazu und sie möchten die Erinnerung an diese Personen in ihren Alltag integrieren dürfen. Dazu gehört auch, dass sie über diese Menschen reden können - über ganz normale und alltägliche Dinge, die sie mit ihnen erlebt haben. Für sie ist es eine große Bereicherung, wenn sie nach dem Tod noch Dinge und Geschichten erfahren, die sie nicht wussten - also erzählen Sie ruhig aus Ihrer Zeit mit ihrer Bekannten. Trauernde Kinder werden oft aus der Angst, man könnte mit der Erinnerung wieder tiefe Traurigkeit auslösen, nicht auf ihre verstorbenen Eltern angesprochen - dabei passiert jedoch Folgendes: das Kind spürt, dass die tote Mutter "totgeschwiegen" wird und im Extremfall bedeutet dies für das Kind auch: wir reden nicht darüber, weil uns das nicht interessiert. :-( Kinder möchten ihren verstorbenen Eltern für immer einen guten und sicheren Platz in ihrem Herzen zuweisen, dabei können wir Erwachsene Kinder unterstützen.

Es tut gut, das so zu lesen! Stimmt, man kann die Erinnerungen wirklich weitergeben bzw. mit ihr teilen, gerade weil ich die Mutter ja auch oft erlebt habe, wie sie mit ihrer Tochter umgegangen ist, seit diese noch sehr klein war. Wie glücklich und stolz sie oft war. Ich glaube, das Problem mit dem Ansprechen ist auch, dass man das nicht "zwischen Tür und Angel" machen will und immer auf die richtige Situationen wartet, auf Zeit und Ruhe, die es eben aber oft nicht gibt.

Ich arbeite seit Jahren mit trauernden Kindern und kann Ihnen Mut machen, wenn Sie vorhaben, Kinder auf ihre verstorbenen Eltern ganz normal auch im Alltag anzusprechen. Kinder und Jugendliche hoffen insgeheim, dass Außenstehende - und gerade auch Bekannte und nahe stehende Menschen - sie auf ihre verstorbenen Eltern ansprechen. Denn dies tut sonst selten jemand und sie haben oft den Eindruck, dass ihre Eltern von den Anderen aus dem Leben verbannt werden. Doch ein verstorbenes Familienmitglied bleibt für Kinder und Jugendliche immer ein innerer Begleiter. Ein sensibler Versuch von Ihrer Seite wird auch immer ein Zeichen sein für das Kind: " Wenn du jemanden zum Reden brauchst - ich bin da und deine Mutter/Vater fehlt mir ebenso." Die Idee mit dem Trauern in Pfützen passt also auch hier. Und selbst auf die Gefahr hin, dass die Frage Traurigkeit auslöst - diese Trauerpfütze gehört auf den Trauerweg und Kinder haben tolle Gummistiefel!

Danke! Wobei ich mich natürlich frage, wie ein sensibler Versuch aussieht... Aber das ist wahrscheinlich schwer zu verallgemeinern. Vielleicht geht es ja weniger darum, den Tod oder den Verlust anzusprechen, sondern eher, dass man die Mutter einfach mal erwähnt, oder? Etwa: Diese Musik mochte sie doch auch immer gerne - oder: Wie hat deine Mutter das eigentlich immer gemacht?

Ansprechen wuerde ich eher den Erwachsenen, der zusammen mit dem Maedchen wohnt. Vielleicht braucht er ja Unterstuetzung? Die Mutter ist nicht ausgeblendet; das ist meine Erfahrung. Als Bekannte vermissen Sie sie natuerlich auch. So erleben wir Trauer, die ihren Raum braucht.

Vor kurzem ist eine Bekannte von uns gestorben. Ihre Tochter ist 12, und wenn man diese trifft, ist sie oft fröhlich und ausgelassen. Man denkt dann schnell, sie hat es schon überwunden, es geht ihr ja wieder gut. Oder hat Bedenken, ob sie ihre Traurigkeit verdrängt. Ich kann mit dem Bild der Pfützen viel anfangen, damit, dass sich Trauer- mit Normalitätsphasen abwechseln (müssen). Aber heißt das denn, dass sie in diesen "Alltagsphasen" auf das Thema gar nicht angesprochen werden wollen? Ich will ihre Mutter ja nicht völlig ausblenden.

es ist genial, dass es eine solche Möglichkeit gibt, mit Trauer umzugehen. Zu lernen wieder fröhlich zu sein, zu lernen auch mal Weinen zu dürfen und vorallem zu lernen im Alltag mit diesem "Schlag ins Gesicht" zu leben ist das wichtigeste was man Jungen Menschen nach dem Verlust geliebter Menschen geben kann! Dies sollte es viel öfter geben!