Im Leben der anderen

Ponizak/Caro

Stellen Sie sich vor: Sie verlassen für drei Monate Ihre Familie, gehen in ein anderes Land und ziehen dort bei einem alten gebrechlichen Mann ein – oder bei einer Frau, die in der fremden Sprache so undeutlich spricht, dass Sie sie kaum verstehen.
In so einer Situation sind die rund 100 000 Ost­europäerinnen, die sich um unsere Mütter und Väter kümmern, damit diese nicht ins Heim müssen. Sie haben es nicht leicht, insbesondere, da die meisten dieser Helferinnen sich in einer rechtlichen Grau­zone bewegen.
Der Diözesan-Caritas­verband Paderborn arbeitet seit 2009 mit Caritas ­Polen in einem Tandem-Modell zusammen. In Deutschland erhalten die An­gehörigen Hilfe bei der Vermittlung und ordnungs­gemäßen Anmeldung der – somit legalen – Hilfskraft. In Polen beraten Caritas-Mitarbeiter zukünftige Betreuerinnen, auch bei Fragen wie: Habe ich Alternativen zur Migration? Welche Hilfen gibt es für meine Familie, wenn ich weg bin? Zweimonatige Qualifizierungs- und Sprachkurse bereiten auf den Einsatz vor.
In Deutschland kommen Ansprechpartner regelmäßig zu Besuch, vermitteln bei Problemen, vernetzen mit anderen Betreuerinnen und unterstützen in Notfällen. Ihr Ziel: Beiden Seiten soll es gut gehen.

Fragen an Projektleiterin Brigitte von Germeten-Ortmann

Viele private Anbieter vermitteln Helferinnen. Was macht die Caritas anders?
Wir schauen auch dahin, wo die Frauen herkommen. In Osteuropa hinterlässt die Pflegemigration große Lücken: In den Familien fehlen die Mütter. In Altenheimen und Kliniken fehlen gut ausgebildete Pflegekräfte.

Muss man dann nicht ganz die Finger davon lassen, auch wennʼs legal abläuft?
Das lässt sich zurzeit nicht unterbinden, denn beide Parteien sind in Not. Wir können aber für faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung sorgen, so dass der Einsatz zeitlich begrenzt bleiben kann. Und uns um die Familien daheim kümmern.

Wo gehen mögliche Spenden hin?
Jetzt sind schon 30 deutsche Caritasverbände dabei. In Polen kommt man mit den Schulungen nicht hinterher. Deutschkenntnisse sind aber der Schlüssel zur Eigenständigkeit. Wir finanzieren deshalb hier Sprachkurse.

Spendenkontakt: 

Caritasverband für das Erzbistum Paderborn e. V.
Am Stadelhof 15
33098 Paderborn
Telefon: 05251/209-350
E-Mail: info@caritas-paderborn.de
www.caritas-paderborn.de
www.caritas24.net (zu diesem Projekt)

Bankverbindung
Bank für Kirche und Caritas eG
BLZ 472 603 07
Konto 150 00 900
Verwendungszweck: Stichwort chrismon
Für eine Spendenquittung bitte die eigene Anschrift
im Betrefffeld der Überweisung angeben

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