Ich halt’s grad nicht mehr aus!

Simon ging es lange gut bei seiner Pflege­familie. Dann trennten sich die Eltern, da war er zwölf. Er blieb bei der Mutter, aber er attackierte sie immer wieder und gab ihr die Schuld an der Trennung. Der Junge sackte in der Schule ab, begann zu trinken. Die Eltern wussten nicht weiter. Simon kam für zwei Wochen in eine andere Familie, dann ins Heim. Angelika Gattmann vom Pflege- und Adoptivelternverein PFAD in Konstanz erzählt diese Geschichte, um zu zeigen, wie Krisen in Pflegefamilien oft dazu führen, dass Kinder wieder im Heim landen, auch wenn die Eltern nur eine Atempause gebraucht hätten und Unterstützung von außen, um weiterzumachen.


Ihr Verein plant nun ein spezielles Haus, in dem Pflege- und Adoptivkinder bis zu sechs Monate bleiben können und pädagogisch begleitet werden, wenn es zu Hause kriselt. Und es soll Angebote für die ganze Familie geben: Elternberatung, Fort­bildungen, Lernunterstützung oder Frühstückstreffs. Im Gespräch ist ein 200 Jahre altes Haus in der Nähe von Konstanz. Die Kosten für Kauf und Umbau belaufen sich auf gut eine Million Euro, der Verein muss etwa die Hälfte vorfinanzieren und sucht deshalb dringend Spender.

 

Fragen an Dr. Carmen Thiele, Fachreferentin im Bundesvorstand von PFAD e. V.

Stress kennen alle Familien. Warum brauchen Pflegefamilien ein solches Haus? 

Sie kommen mehr als andere an ihre Belas­tungsgrenzen. Pflegekinder kommen nie aus einer heilen Welt. Normale familiäre Krisen wie Eheprobleme der Eltern können alte Traumata wachrufen. Auch die Erschütterungen der Pubertät werden oft extrem erlebt.

Gab es bislang nichts, wo sie zur Überbrückung hinkonnten?

Es gibt Angebote, zum Beispiel Jugendwohngruppen, Bereitschaftspflegefamilien, Kurzzeitunterbringung im Heim. Dieses Haus ist aber das Einzige, das Pflegeeltern initiiert haben.

Warum ist das wichtig?

Weil sie aus eigener Erfahrung wissen, dass Problemzeiten nicht bedeuten müssen, dass gar nichts mehr funktioniert. Und man kann davon ausgehen, dass die Initiatoren den Pflegeeltern auf Augenhöhe begegnen. Das ist nicht überall der Fall.

Spendenkontakt: 

Pflege- und Adoptivelternverein PFAD Konstanz und Umgebung e. V.

Angelika Gattmann
Bachbohlweg 47
78467 Konstanz
Tel. 07531/23410
E-Mail: pfad-vereinkonstanz­­@web.de
www.pfad-kn.de

Bankverbindung
Volksbank Konstanz
Konto: 216 689 518
BLZ: 692 910 00
Stichwort: chrismon

Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift im Betreff-Feld der Überweisung angeben

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