Gemeinsam gehen – neue Wege in der Gefangenenhilfe

Drei Tage wandern im Harz. Klingt nett. Zusammen mit jugendlichen Straftätern? Klingt schwierig. Auf eine entsprechende Zeitungsanzeige hin fanden sich dennoch fünf Interessierte, die an einem Wochenende im vergangenen Herbst den Rucksack packten und mitkamen – mit sechs jungen Insassen der Justizvollzugsanstalt Hameln, einem Vollzugsbeamten und Pfarrer Otfried Junk von der christlichen Straffälligenhilfe „Schwarzes Kreuz“. Er hatte die Idee, „sich gemeinsam auf den Weg zu machen“ und so etwas voneinander zu erfahren.
Päckchen schicken, Gefangene besuchen, Hilfe nach der Entlassung – das alles organisiert das 1925 gegründete „Schwarze Kreuz“ mit Hilfe von Ehrenamtlichen. Mehr und mehr aber versucht Otfried Junk, den Weg der einseitigen Hilfe zu verlassen. Bei der Wanderung etwa waren die Teilnehmer eben nicht geteilt in „Geber und Empfänger“, in „Freie und Eingeschlossene“. Es gab ein gemeinsames Ziel. Und Gesprächsstoff: das Wetter, die schmerzenden Füße . . . Diese Normalität tat beiden Seiten gut, sagt Junk. Er überlegt derzeit, wohin der gemeinsame Weg führen kann. Zum Beispiel, wenn man sich als Gruppe um andere Hilfsbedürftige kümmert.

Mike Kamann (Name geändert), 18, ist  Häftling in Hameln und wanderte mit

Wie ist Ihr Alltag im Gefängnis?
Ich bin im offenen Vollzug. Um Viertel nach sieben stehe ich auf, gehe zur Schule bis 16 Uhr. Am Nachmittag schreibe ich oft Briefe, an Freunde, an meine Familie oder an meine Freundin. Räume auf oder putze. Von sieben bis halb zehn Uhr abends arbeite ich in einem Krankenhaus. Später lerne ich meist noch etwas, gehe gegen Viertel vor elf schlafen.

Und der Samstag auf der Wanderung?
Leider auch früh aufstehen. Zusammen frühstücken und dann eben wandern: über 20 Kilometer. Hab ich vorher noch nie gemacht, aber ich bin sportlich aktiv. Am Abend haben wir noch am Feuer gesessen. Ich habe mit den Leuten von außen über vieles geredet, auch über meine Zukunft und die Haft.  

Wie war es, am Sonntagmittag wieder ins Gefängnis zurückzumüssen?
Nicht so gut. Der normale Alltag rückte wieder an, und es ist hier eben nicht so locker.

Spendenkontakt: 

Schwarzes Kreuz – Christliche Straffälligenhilfe e. V.
Jägerstraße 25 a
29221 Celle
Tel.: 0 51 41-9 46 16-0
info@schwarzes-kreuz.de,
www.schwarzes-kreuz.de

Bankverbindung
Bank: EKK Hannover
Konto:  600 202
BLZ: 520 604 10
Stichwort: chrismon
Für die Spendenquittung unbedingt
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