Friedensarbeit mit ehemaligen Soldaten in Kroatien

Über das Trauma des Krieges sprechen

Als für den Soldaten Zoran F. der Krieg vorüber war, hatte er das Schlafen verlernt. Der Horror des Tötens war das eine. Aber auch der Frieden hatte ihm keine Ruhe gebracht. Nichts war so, wie er es erwartet hatte, niemand interessierte sich für das, was er erlebt hatte. Bis der Kroate anfing, sich regelmäßig mit anderen ehemaligen Soldaten in einem Gesprächskreis zu treffen.

Zum ersten Mal kann er über seine Probleme reden. Ursula Renner hat auch schon in Serbien Versöhnungsgruppen wie die von Zoran F. aufgebaut. Die 54-Jährige lebt seit zehn Jahren in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens, sie arbeitet für das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD). Gerade ist sie nach Sibenik, Kroatien, gezogen. Von den 350000 Veteranen im Land sind nach Schätzungen des Forums rund 100000 traumatisiert. Sie müssen psychologisch betreut werden, dafür ist eine -Infrastruktur nötig, ein Netzwerk: der Job von Ursula Renner.

Gibt es Momente, in denen eine Friedensarbeiterin parteiisch wird? Sicher, sagt Ursula Renner. Das Einzige, was dann hilft: Sie sucht sich einen "sympathischen" Gesprächspartner aus dem anderen Lager: "Mit dem rede ich dann so lange, bis das Gleichgewicht wieder hergestellt ist."

Fragen an Ursula Renner, Projektleiterin vom ZFD in Kroatien

chrismon: Sie helfen ehemaligen Soldaten.  Aber das sind doch Täter?
Ursula Renner: So denken leider viele, auch in der Friedensszene. Dort geht es meist nur um die Opfer. Soldaten sind aber Täter und -Opfer. Man glaubt ihnen, wenn sie vom Kriegs-horror erzählen und sich für Alternativen zu Gewalt einsetzen. Das können wir nutzen.
Eine Kollegin von Ihnen ist die ehemalige RAF-Terroristin Silke Maier-Witt. Ist sie als  Aussteigerin authentischer?
Sie geht mit ihrer Vergangenheit nicht hausieren und macht ihre Arbeit ganz hervorragend. Für uns stehen die Projekte im Vordergrund.
Was machen Sie mit 100 Euro Spenden?
Für 100 Euro kann ein traumatisierter Exsoldat einen Monat lang psychologisch betreut werden.

 

Spendenkontakt: 

Forum Ziviler Friedensdienst e. V. 
Bank für Sozialwirtschaft, BLZ 370 205 00,  Konto-Nr. 82 40 101, Stichwort: Kroatien/chrismon. Für die Spendenquittung unbedingt die eigene Anschrift im Betrefffeld der Überweisung angeben.
Gesamt-budget aller forum ZFD-Projekte 2006: 1,2 Mio. Euro,
Verwaltungs- und Betriebskosten: 257 000 Euro.
Wesselstr. 12, 53113 Bonn, Tel. 02 28 / 9 81 45 16, Fax 02 28 / 9 81 45 17, www.forumzfd.de

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