Frauen in Simbabwe

Unerschrocken und gut vernetzt
Projekt - Simbabwe

Weltgebetstag der Frauen - Deutsches Komitee e.V.

Ihre Mutter war mit fünfzehn verheiratet. Gertrude Pswarayi ging mit neunzehn an die Uni

Projekt - Simbabwe

Eine Journalistin in Simbabwe ermutigt Frauen, Ungerechtigkeiten öffentlich zu machen

Simbabwes Platz auf der Rangliste der Presse­freiheit: 130. Das ist sehr weit unten. "Die ­Signale von Auslandssendern werden gestört, der Besitz von Kurzwellenempfängern ist verboten", so Reporter ohne Grenzen über die Lage im nördlichen Nachbarland Südafrikas. "Journalisten unabhängiger Zeitungen sind regelmäßig willkürlichen Festnahmen, Verhören oder Angriffen ausgesetzt." Und in diesem Land schult eine unerschrockene Publizistin junge Frauen darin, öffentlich zu berichten: über Kinderbräute. Prügelnde Ehemänner. Armut. Sexuelle Übergriffe. Polizisten, die den Opfern nicht glauben.

"Meine Mutter hatte eigene Träume. Aber sie lebte in einer patriarcha­lischen ­Gesellschaft"

Gertrude Pswarayi, 40, die am Rande der Großstadt Bulawayo lebt, will den Mädchen und Frauen eine ­Stimme geben. Sie sollen nicht stumme Opfer bleiben, sondern selbst mitwirken daran, dass ungerechte Verhältnisse sich ändern. Die Journalistin ist lebendes Beispiel, wie das funktionieren kann. Ihre Mutter war schon mit fünfzehn verheiratet und blieb zeitlebens als Hausfrau ans Haus gefesselt. So empfindet das die Tochter. "Schon als Kind konnte ich sehen, dass meine Mutter ihre eigenen Träume hatte", schreibt sie in einer Kurzbiografie, "aber sie lebte in einer patriarchalischen Gesellschaft, in der der Mann die Sexualität von Frauen von der Geburt bis zum Tod kontrolliert und ihr Potenzial blockiert." Mit neunzehn geht Gertrude Pswarayi an die Uni, als eine der wenigen Frauen in ihrem Viertel, studiert Journalismus und Medienwissenschaft. Dort sitzt sie das erste Mal an einem Computer. "Mein Herz schlug wie eine afrikanische Trommel."

Hanna Lucassen

Hanna Lucassen ergründet das Miteinander. Sie war Krankenschwester, studierte Soziologie, arbeitet heute als freie Journalistin in Frankfurt und leitet ein diakonisches Projekt gegen Einsamkeit im Alter. In chrismon bloggte sie unter dem Titel Pflegeleicht. Für den Fastenkalender von 7 Wochen Ohne sucht sie nach schönen Texten.
Lena UphoffPortrait Hanna Lucassen, Redaktion chrismon, Redaktions-Portraits Maerz 2017

Nach der Uni arbeitet sie für NGOs, die Frauenrechte stärken, und gründet 2008 eine eigene Organisation: das Kreativzentrum für Kommunikation und Entwicklung (CCCD). Am Anfang waren es nur zwei ­gebrauchte Computer auf der Terrasse ihres Hauses. Mittlerweile bietet sie in gemieteten Räumen Seminare an, etwa zu Bildung, Sexualität oder Ernährung. ­Daneben bringt sie Mädchen und Frauen bei, am Computer zu ­arbeiten, und führt sie in das journalistische Arbeiten ein. ­Diese schreiben dann als ­Reporterinnen – sogenannte ­citizen journalists – über die Ungerechtigkeiten, die sie in ­ihrem Umfeld beobachten oder erleben. Manche von ihnen wurden selbst schon als Teen­ager ­verheiratet. Das ­CCCD begleitet sie beim ­Recherchieren und ­Schreiben, veröffentlicht die ­Beiträge auf der Homepage, zahlt ihnen ein Honorar. ­Gertrude ­Pswarayi schützt sich und die Reporterinnen unter anderem dadurch, ­ dass sie in der Stadt gut vernetzt ist und große Frauen­organisationen sie unterstützen. Auch in Deutschland. Das deutsche Komitee für den Weltgebetstag der Frauen, der am 4. März stattfindet, sammelt ­Spenden für diese Arbeit.

Spendeninfo

Am 4. März wird in rund 150 Ländern der Weltgebetstag der Frauen gefeiert. Das Komitee in Deutschland ist das ganze Jahr über aktiv und fördert Frauenprojekte auf der ganzen Welt. Für das hier vorgestellte Projekt können Sie spenden an:

Weltgebetstag der Frauen e. V.

Evangelische Bank EG,
Kassel, IBAN: DE60 5206 0410 0004 0045 40.
Stichwort: chrismon/Simbabwe
www.weltgebetstag.de

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