Deutschkurs für Flüchtlinge

Bita, wir 
müssen reden!
Projekt - Bita, wir müssen reden

Astrid Biesemeier

Bita hat in Teheran als Kosmetikerin gearbeitet. Für einen Job in Frankfurt muss ihr Deutsch noch besser werden

Projekt - Bita, wir müssen reden

Ein Deutschkurs, offen für alle 
und kostenlos, vernetzt Frankfurter und Flüchtlinge

Bita ist fix mit dem Bleistift, sie füllt die Leerstellen im Buch schnell aus, und meistens konjugiert sie richtig, findet die passende Präposition. Zaman tut sich da viel schwerer. Dafür kann er reden wie ein Wasserfall, er erzählt von seinem Sohn, seinem Praktikum bei einem Bäcker, und dass der gesagt hat: Komm wieder, Zaman, wenn du ein Deutsch-Zertifikat hast.

Dafür muss Zaman aber schreiben können. Und Bita muss deutsch sprechen; es hilft ihr nicht mehr, mit ­Büchern und Onlinekursen zu lernen, sie muss die Sprache benutzen. Nur dann schafft sie die B1-Prüfung, von der sie hofft, dass sie danach einen Job, vielleicht als Kosmetikerin, und eine Wohnung für sich und ihren Sohn bekommt. Zaman aus Afghanistan und Bita aus dem Iran fahren viermal die Woche in eine Frankfurter Schule, um für anderthalb Abendstunden den richtigen Gebrauch von Modalverben zu üben, Wörter wie "Geldautomat" und "Feierabend" zu verstehen und ganze Sätze zu schreiben.

Es geht nicht nur um die Sprache

"Speakout" heißt das Deutschkurs-Projekt, das junge Frankfurterinnen und Frankfurter 2015 gegründet ­haben – als klar wurde, dass nicht alle Geflüchteten Plätze in den offiziellen und kostenlosen Deutschkursen finden würden. Und dass ein Integrationskurs auch nicht reicht, um Deutsch zu lernen. Schließlich: dass es nicht nur um die Sprache, sondern um Kontakte geht.

Die Lehrer bei Speakout sind nicht durchweg päda­gogische Profis. Neben ausgebildeten Lehrern engagieren sich ­Stewardessen, Studenten, Werbefachleute, Ärztinnen, ­Juristen, Mitarbeiterinnen der Frankfurter Buchmesse – und zwei chrismon-Journalistinnen. Die Lehrkräfte, mehr als 30 für insgesamt ebenso viele Schüler, wechseln täglich, und das funktioniert, erklärt Kristin Werner, Mitgründerin des Projekts und im Hauptberuf Marketingmanagerin: "Wir haben ein gedrucktes Lehrbuch und ein Online­klassenbuch, damit wir den Unterricht proto­kollieren können. Wir verabreden uns über E-Mail und soziale Medien, so üben auch die Schüler den Dialog."

Inzwischen kommen überwiegend afghanische Teilnehmer. Viele haben noch nie eine Schule besucht. 
Manche sind schon 40 oder 50 Jahre alt und lernen langsam. Die meisten haben kaum Aussichten, in Deutschland bleiben zu können, keine Arbeit, leben noch immer in 
Unterkünften ohne Privatsphäre, und die anderthalb Stunden am Abend sind der einzige Termin des Tages. Wer regelmäßig teilnimmt, bekommt ein Monatsticket für den Nahverkehr. Und wer den sechsmonatigen Kurs 
erfolgreich absolviert hat, erhält die Finanzierung für ­einen weiterführenden, professionellen Sprachkurs, in­klusive Begleitung zum Einstufungstest. Bita ist schon dabei. Sie schafft das.

Spendeninfo

Offene und kostenlose Deutschkurse wie Speakout in Frankfurt gibt es auch in anderen Städten. Zum Beispiel Sprache im Alltag – Sprachbrücke-Hamburg oder das Berliner Netzwerk Deutschkurse für alle!. Zur Unterstützung kann man sich ehrenamtlich engagieren oder auch Geld spenden.

Leseempfehlung

Viele Flüchtlinge können kaum lesen und schreiben. Darum kann sich Dagmar Gdanitz aber nicht auch noch kümmern
Nach drei abgelehnten Asylanträgen kehrte Mohamed Messaoudi 2001 zurück nach Algerien.Eine Spurensuche diesseits und jenseits des Mittelmeers
Der syrische Tierarzt Adham Alshraa
Erst ertrank er beinahe in der Ägäis, jetzt analysiert der syrische Tierarzt Adham Alshraa in Deutschland Keime
Seit vierzig Jahren hilft Helmut Stapf Flüchtlingen, in der deutschen Gesellschaft anzukommen. Er tut, was immer er für nötig hält – auch in juristisch zweifelhaften Fällen. Zu Besuch bei einem Unermüdlichen

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.