Das Baby ist da - und die Freude ist weg

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Glücksgefühle wechseln sich ab mit Traurigkeit, Tränen fließen scheinbar grundlos. Nach einer Entbindung ist der „Babyblues“ normal. Zehn bis 15 Prozent der Frauen entwickeln in den ersten Wochen aber eine echte Depression. Auch Psychosen, Angst- oder Zwangsstörungen kommen häufiger vor als sonst.

Die Krankheiten sind gut heilbar, sagt Sabine Surholt von der Selbsthilfeorganisation „Schatten und Licht“. Wenn man denn einen Arzt findet, der die Symp­tome richtig deutet. Das aber könnten noch längst nicht alle. Manche gäben lediglich Durchhalteparolen aus und verschrieben Vitamine, sagt Surholt. Und selbst wenn der Mediziner die ­Therapie einleitet und – in schweren Fällen notwendig – in die Psychiatrie einweist: Deutschlandweit gibt es nur elf Kranken­häuser mit einer spezialisierten Mutter-Kind-Abteilung. Wochenlange Wartezeiten sind die Regel.

Die Mitglieder von „Schatten und Licht“ setzen sich für mehr Therapie­angebote ein, informieren Fachleute und Öffentlichkeit, beraten Mütter telefonisch – fast alles ehrenamtlich. Bis zu 15 Hilfegesuche bekommt Sabine Surholt tägIich. Ihr Traum: ein Vereinsbüro und ein Beratungstelefon, das rund um die Uhr besetzt ist.

Fragen an Sabine Surholt, Gründungsmitglied und Vorsitzende
 

Sie hatten 1992 eine Wochenbettdepression. Wie fing das an? 
Ich merkte schon in den ersten Tagen nach der Geburt meines Sohnes, da stimmt was nicht. Ich fühlte mich schwach, überfordert, hatte große Angst, als Mutter zu versagen, auch Todesängste. Das wurde immer schlimmer. Ich wachte nachts schweißgebadet auf, aß kaum, schleppte mich durch den Tag.  


Und das Baby?
Um meinen Sohn konnte ich mich kümmern - das war fast das Einzige, das ging. Dass erkrankte Mütter ihre Kinder ablehnen, kommt auch vor, aber viel seltener, als man in der Öffentlichkeit hört.


Wie kamen Sie aus der Krise raus?
Ich suchte lange nach Hilfe. Nach einem halben Jahr verschrieb mir ein Psychiater Antidepressiva, und ich begann eine Gesprächstherapie. Von da an ging’s langsam bergauf. Richtig fit war ich ein, zwei Jahre später.

Spendenkontakt: 

Schatten und Licht e. V.
Obere Weinbergstr. 3
86465 Welden
Tel.: 08293/965864
E-Mail: info@schatten-und-licht.de
www. schatten-und-licht.de

Bankverbindung
Postbank Hamburg
BLZ 200 100 20
Konto 220 511 203
Stichwort: chrismon
Für die Spendenquittung bitte die eigene Anschrift
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