Ist das Wort "behindert" problematisch?

Sprachstunde - Folge 25 'Behindert'

Lena Gerlach, Marlene Gawrisch/WELT/ullstein bild

Sprachstunde - Folge 25 'Behindert'

Ist das Wort "behindert" problematisch?
Sprachstunde - Folge 25
Nicht behinderte Menschen haben oft Probleme damit, das Wort "behindert" zu verwenden. Inklusionsaktivist Raul Krauthausen erklärt, wie man es richtig machen kann - und wann es schwierig ist.

Behinderter Mensch, Mensch mit Behinderung, Behinderte*r oder Person mit Handicap? Welche Bezeichnung kann man zum Beispiel für einen Rollstuhlfahrer verwenden, ohne ungewollt verletzend zu sein?

"Ich bevorzuge 'behinderter Mensch', weil diese Formulierung offenlässt, ob ich behindert bin oder behindert werde", sagt Inklusionsaktivist Raul Krauthausen in der 25. Folge der Sprachstunde. "Bin ich behindert, weil ich eine Etage nicht hochkomme, weil ich keine Treppen laufen kann - oder werde ich behindert, weil in dem Gebäude kein Aufzug existiert?"

Raul Krauthausen

Raul Krauthausen, Jahrgang 1980, ist Inklusionsaktivist, studierter Kommunikationswirt und Gründer der Sozialhelden, die sich für mehr Teilhabe und Barrierefreiheit einsetzen. 2013 wurde Raul Krauthausen mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet und im Januar 2014 veröffentlichte er seine Biografie "Dachdecker wollte ich eh nicht werden – Das Leben aus der Rollstuhlperspektive".
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Ursula Ott

Ursula Ott ist Chefredakteurin von chrismon und der digitalen Kommunikation im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik gGmbH. Sie studierte Diplom-Journalistik in München und Paris und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sie arbeitete als Gerichtsreporterin bei der "Frankfurter Rundschau", als Redakteurin bei "Emma", als Autorin und Kolumnistin bei der "Woche", bei der "Brigitte" und bei "Sonntag aktuell" sowie als freie Autorin für Radio und Fernsehen. 2020 wurde sie unter die 10 besten Chefredakteur*innen des Jahres gewählt. 2019 schrieb sie den Bestseller "Das Haus meiner Eltern hat viele Räume. Vom Loslassen, Ausräumen und Bewahren".
Foto: Lena UphoffUrsula Ott, chrismon Chefredakteurin

Die Angst nicht behinderter Menschen, das Wort "behindert" zu verwenden, komme daher, dass es noch immer relativ wenig Berührungspunkte im Alltag zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen gebe, sagt Krauthausen. "Das fängt schon im Kindergarten an, wo Kinder mit Behinderung systematisch aussortiert werden. Wenn wir als Gesellschaft den Umgang mit Behinderung nicht lernen, wird es immer schwieriger, einen zu finden."

Warum ausgerechnet viele Sushibars für behinderte Menschen problematisch sind, weshalb Euphemismen wie "special need", "anders begabt" und "herausgefordert" nicht besser sind und wie man am besten reagiert, wenn "behindert" als Schimpfwort verwendet wird, erzählt Krauthausen in der aktuellen Folge der Sprachstunde.

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Lesermeinungen

Behindert wird ungern gehört. Lebensraum ist NS-verdächtig. Gendern ist vorbildlich. Ziganer nennen sich selbst so. Zigeuner will man nicht sein. Das N-Wort ist kolonialistisch. Der Faschingsprinz soll sich umnennen. Alle Begriffe und Namen, die bei der AFD gebräuchlich waren oder noch sind, machen verdächtig. Sollen Fallschirmspringer ihre Springerstiefel an die AFD verkaufen und sich dann barfuß in die Tiefe stürzen? Um sich politisch korrekt auszudrücken, wäre ein Studium der ethnisch fraglichen Namen und Bezeichnungen notwendig. Pollak ist bei uns niederträchtig, jenseits der Grenze aber üblich. Oder proforma einer extremen Partei beitreten, um den im öffentlichen bürgerlichen Leben zu vermeidenden Wortschatz zu lernen, damit man weis, was man nicht sagen darf? Alle Adolf, Hermann,.Joseph umnennen, denn die Namen sind verbrandt. Das Ziel ist uferlos.