chrismontag: Karwoche, und es ist Krieg

 

chrismontag: Karwoche, und es ist Krieg

Liebe Leserinnen und Leser,

wir dekorieren die Tage rund um Ostern mit Eiern und Häschen und machen es uns schön und heimelig. Aber die aktuellen Ereignisse, der Krieg und das sinnlose Morden in der Ukraine, lassen all das schal wirken.

Ein russischer Diktator schickt Männer in die Ukraine. Sie sollen die Menschen in der Ukraine mit Flugzeugen, Hubschraubern und Panzern unterwerfen. Und junge Ukrainerinnen und Ukrainer schießen mit Gewehren, Panzerfäusten und Raketen zurück, weil sie sich ihre Freiheit nicht einfach so nehmen lassen wollen. Wer soll da diplomatisch einen Kompromiss aushandeln? Und was für ein Kompromiss könnte das sein?

Der Krieg wird weitergehen, vermutlich sehr lange. Derweil sterben viele Menschen, verrohen junge Männer, werden Frauen vergewaltigt, Kinder verlieren jeglichen Halt, und viele Menschen verkrüppeln. Selbst im Falle eines ukrainischen Sieges werden all diese Menschen nichts oder wenig von der errungenen Freiheit haben.

Karfreitag erinnert daran, wie wehr- und widerstandslos Jesus sich zu Tode foltern ließ. Das ist eine Zumutung, nichts für schwache Nerven – und schon gar nichts für starke Nerven. Niemand wird behaupten, dass sich damit der Ukrainekrieg beenden lässt. Und ausgerechnet so "versöhnt sich" Gott mit unserer kaputten Welt, sagt die Bibel (2. Korinther 5,19).

Der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer beschrieb den Weg Jesu ans Kreuz so: "In ihm geschah die Versöhnung der Welt mit Gott. Nicht durch Zertrümmerung, sondern durch Versöhnung wird die Welt überwunden. Nicht Ideale, Programme, nicht Gewissen, Pflicht, Verantwortung, Tugend, sondern ganz allein die vollkommene Liebe Gottes vermag der Wirklichkeit zu begegnen und sie zu überwinden."

Jesus ließ sich martern. Er wehrte sich nicht. Alle sahen zu, niemand schritt ein. Es war und ist zum Verzweifeln. So, indem er seinen Widersachern nichts entgegensetzt, versöhnt Gott die Welt mit sich. Er liebt radikal - und bekommt nichts zurück, keinen Lohn, keine Gegenliebe, keine Besserung.

Auch Dietrich Bonhoeffer ging gedemütigt, aber gefasst auf den Galgen zu - vor ziemlich genau 77 Jahren, am 9. April 1945.

Was folgt daraus für eine christliche Friedensethik? Die evangelische Kirche sagt: Es kann keinen gerechten Krieg geben; Krieg ist durch nichts zu rechtfertigen. Christinnen und Christen können nur eines tun: an einem gerechten Frieden mitwirken.

Was heißt das in praktischer Politik? Die evangelische Kirche hat versucht, das durchzubuchstabieren - vor dem Ukrainekrieg. Muss sie jetzt noch mal alles neu überlegen? Nein, meine ich. Warum, lesen Sie hier.

Auch von Kriegsrhetorik sollten sich Christinnen und Christen fernhalten. Aus christlicher Sicht gibt es weder Helden noch Verräter. Sowieso ist "Verrat" ein schwieriges Wort. Warum, erfahren Sie hier.

Was bedeutet Ihnen Karfreitag? Was bedeutet Ihnen Ostern? Rundfunk- und Fernsehgottesdienste zur Osterzeit könnten Ihnen Impulse geben. Einen guten Überblick vermittelt diese Seite auf evangelisch.de.

Eine umfassendere Zusammenstellung von Gottesdiensten rund um Ostern überall in Deutschland finden Sie auf ekd.de.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Passionswoche voller Gedanken, voller Solidarität und Liebe. Und dann ein fröhliches Osterfest.

Ihr Burkhard Weitz

PS: Am 28. April von 12 Uhr bis 12.45 Uhr findet zum ersten Mal unser neues Format "chrismon live – das Webinar" statt. Ursula Ott spricht mit Diana Kinnert und Johann Hinrich-Claussen über Einsamkeit. Jetzt anmelden!

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