chrismontag: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

 

chrismontag: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Rosa Lyenska ist 22, lebt in Berlin und studiert Film. Außerdem ist sie jüdisch. Aber das hat sie erst als Jugendliche erfahren. Ihre Eltern kamen 1997 als Kontingentflüchtlinge aus der Ukraine nach Deutschland und haben es nicht so mit Religion. Die junge Berlinerin hat chrismon erzählt, wie sie das Judentum für sich entdeckt hat und dass ihr die Traditionen und Rituale Halt geben - auch wenn sie nicht an Gott glaubt. 

Wie bunt und vielfältig jüdisches Leben heute in Deutschland ist, möchten Juden und Nichtjuden, Bund, Länder und Städte mit dem großen Festjahr #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland zeigen. Denn vor genau 1700 Jahren erließ der römische Kaiser Konstantin ein Edikt, wonach Juden städtische Ämter in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, bekleiden dürfen und sollen. Dieses Gesetz von 321 ist der früheste erhaltene Nachweis, dass Jüdinnen und Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschland leben - und ein super Anlass zum Feiern. Geplant sind rund 1000 Veranstaltungen, Ausstellungen, Videoprojekte oder auch das Festival "Mentsh" mit Konzerten und Tanz. Jetzt schon zu hören ist der Podcast #2021JLID von Mirna Funk, Shelly Kupferberg und Miron Tenenberg mit interessanten jüdischen Gästen. Im Sommer tourt ein Begegnungsbus auch dorthin, wo keine Juden wohnen. Und im September laden die jüdischen Gemeinden zum weltgrößten Laubhüttenfest "Sukkot XXL". Kommenden Sonntag, am 21. Februar, wird das Festjahr offiziell von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eröffnet - wegen Corona nur online. 

Die Veranstalter hoffen, dass Bildung und Begegnungen helfen, Vorurteile und Hass abzubauen. Wie wichtig das ist und dass es längst 5 nach 12 ist, haben der Publizist und Philosoph Michel Friedman und der Schriftsteller Max Czollek kürzlich im chrismon-Interview deutlich gemacht. Sie wünschen sich entschiedenen Widerspruch, wenn die Würde eines Menschen angegriffen wird. "Wenn etwa 50 000 Fußballfans im Stadion sind und ein schwarzer Spieler mit Affenlauten beleidigt wird, muss das Spiel vorbei sein! Sonst sind wir Mittäter", sagte Friedman. 

Er hat recht: Die Politik und noch so viele Antisemitismusbeauftragte können wenig ausrichten, wenn wir anderen uns wegducken. Deshalb hören Sie genau hin und machen Sie deutlich, dass Sie keinen Rassismus und Antisemitismus dulden. "Wenn Sie den Einspruch üben, haben Sie keinen Muskelkater, wenn Sie das im Fußballstadion machen müssen", hat uns Friedman mit auf den Weg gegeben. 

Ich wünsche Ihnen eine gute Woche!

Claudia Keller

chrismon-Redaktion

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