Landwirtschaft

 

Landwirtschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

alles so schön grün hier! Denkt man, wenn man derzeit zwischen den Feldern spaziert oder radelt. So natürlich! Doch der Eindruck täuscht. Gucken Sie mal in die Landschaft wie ein Insekt – gibt es Blüten voll mit Pollen? Oder mustern Sie die Gegend wie ein Vogel – hat es da Wildkräuter, auf denen leckere Insekten sitzen? Und Sträucher, in deren Geäst Sie uneinsehbar übernachten können?

Nichts davon. Meist werden Sie monotone Felder sehen, eine Agrarsteppe. Erst am Horizont ein paar einsame Büsche. Die Maisfelder reichen bis an den Weg, keine breiten wilden Blühstreifen dazwischen. Den Insekten und Vögeln "da draußen" geht es richtig schlecht.

Das ließe sich ändern. Gerade wird in der EU darüber gestritten, welche Landwirtschaft man künftig mit den EU-Milliarden fördern will. Also mit unserem Geld. Man könnte so entscheiden: Öffentliches Geld nur noch für gesellschaftliche Leistungen wie Naturschutz, Tierschutz, Klimaschutz. Public money for public goods.

Und, wie stehen die Chancen? Schlecht, sagt Folkhard Isermeyer, der als Agrarwissenschaftler die Politik zu beraten versucht. "Ich bin Optimistin", sagt dagegen Ökobäuerin Claudia Gerster, "aber wir müssen jegliche Art von Bündnis mobilisieren." Auch viele konventionell arbeitende Bauern wollten raus aus der Buh-Ecke.

Mein Kollege Nils Husmann und ich hatten übrigens Mühe, bei dieser Begegnung zum Thema "enkeltaugliche Landwirtschaft" für gleiche Redeanteile zu sorgen. Die Landwirtin hatte dem Wissenschaftler einfach so viele spannende Erkenntnisse aus der Praxis zu erzählen.

Eigentlich wollen die Deutschen mehrheitlich eine andere Landwirtschaftspoltik, als wie sie derzeit von der Bundesregierung gemacht wird: Sie wollen eine umweltfreundlichere Landwirtschaft, mehr biologische Vielfalt und einen besseren Umgang mit Nutztieren. Aber sagen wir das auch deutlich genug und nicht nur in Umfragen?

Ein winziger Anfang wäre, jetzt beim großen Insektenzählen des Naturschutzbund Deutschland mitzumachen. Wobei das eher eine Insekten-kennenlern-Aktion ist. Natürlich gibt es eine kostenlose Insekten-App dazu.

Gefährdet sind nämlich nicht die allbekannten Honigbienen, sondern zum Beispiel die Wildbienen. Das sind keine wildgewordenen Bienen oder Ur-Bienen, sondern kleine Insekten, die für Laien oft gar nicht nach Bienen aussehen. Die meisten leben nicht in einem Volk wie die Honigbienen, vielmehr sind das alleinerziehende Mütter, die ihre Eier mitsamt Pollenvorrat zum Beispiel in alte Pflanzenstängel legen. Wenn sie denn noch alte Stängel finden.

Keine Hoffnung mehr in die Politik hat der renommierte Vogelkundler Peter Berthold. Also hat er eine bundesweite Graswurzelbewegung angestoßen: Bürger und Bürgerinnen legen selbst Biotope an. Diese nasse Wiese da unten beim Sportplatz, wäre der Bauer nicht vielleicht froh, man würde sie ihm für wenig Geld abkaufen und renaturieren? Oder die ausgedörrte sandige Fläche hinterm alten Bahnhof? Eigentlich braucht man dafür nur ein paar Gleichgesinnte. Infos zur Aktion bei der Heinz Sielmann Stiftung: Tel. 07771 - 87 98 395.

Vielleicht stellen Sie sich mal nachts unter eine blühende Linde? Im Juni ist die Sommerlinde dran, dann folgt die Winterlinde. Wie es da summt! Muss man nur noch wissen, wie eine Linde aussieht…

Ich wünsche Ihnen aufregende Entdeckungen. Und mischen Sie sich ein in die Debatte um die Landwirtschaft!

Christine Holch

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