Steinmeier dankt Muslimen für verantwortliches Verhalten

epd-bild / Jörn Neumann

Zuckerfest nach Ende des Fastenmonats Ramadan

Zuckerfest nach Ende des Fastenmonats Ramadan

Der Bundespräsident grüßt die Muslime zum Ende des Ramadans und dankt für deren Beitrag zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnt vor einer übereilten Rückkehr der Gläubigen in die Moscheen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat Muslimen für umsichtiges Verhalten zur Eindämmung der Corona-Pandemie gedankt. In einer am Freitag in Berlin veröffentlichten Grußbotschaft zum Ende des Fastenmonats Ramadan schrieb Steinmeier, die Einschränkungen im religiösen Leben würden viele Muslime sicher als bedrückende Erfahrung erleben - "eine Erfahrung, die auch Christen und Juden teilen". "Ihnen allen, die diese strengen Regeln eingehalten und dazu beigetragen haben, dass wir erste Erfolge im Kampf gegen das Virus erzielen konnten, gilt heute mein großer Dank!", schrieb der Bundespräsident.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, warnte unterdessen mit Blick auf das bevorstehende Fest des Fastenbrechens vor einer übereilten Rückkehr der Gläubigen in die Moscheen. "Wer sich jetzt von der romantischen Idee leiten lässt, es sei alles wie immer, der irrt", sagte Mazyek dem Evangelischen Pressedienst (epd). Normalität werde es in den Moscheegemeinden vorerst nicht geben. Aktuell werde diskutiert, wie die Hygiene- und Abstandsvorschriften gegen die Verbreitung des Coronavirus am besten mit der religiösen Praxis vereinbart werden können.

Täter tot aufgefunden

Steinmeier schrieb: "Gemeinsame Gebete, gemeinsames Essen nach Sonnenuntergang, das fröhliche Fest können dieses Jahr gar nicht oder nur sehr eingeschränkt stattfinden." Überschattet werde der diesjährige Ramadan aber nicht nur von der Corona-Pandemie, sondern auch von dem Anschlag von Hanau im Februar. "Unter den Opfern des von rassistischem Hass verblendeten Täters waren viele Muslime. Die Tat hat mich zutiefst erschüttert. Sie war ein Anschlag auf unser friedliches Zusammenleben und auf alle Werte, die wir in diesem Land teilen: die Achtung der Menschenwürde, die Toleranz und Vielfalt, die Freiheit des Glaubens", unterstrich der Bundespräsident und fügte hinzu: "Ich versichere Ihnen, dass ich mich als Bundespräsident dafür einsetze, dass wir als Gesellschaft jeder Form von rassistischer Hetze entschieden entgegentreten."

Zehn Menschen - neun Menschen mit Migrationshintergrund und die Mutter des Täters - waren bei dem Anschlag in Hanau ermordet worden. Der Täter wurde tot aufgefunden.

Mazyek sagte, der Ramadan sei in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie "völlig anders" als sonst. "Natürlich sind sehr viele Muslime traurig, dass die spirituelle Gemeinschaftlichkeit nicht stattfinden kann, wie sie es gewohnt sind", sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime. Auf Feiern im größeren Familienkreis werde weitgehend verzichtet, wie auch auf größere Anlässe in den Moscheegemeinden. "Das ist traurig, das ist frustrierend und ein großer Einschnitt in die religiöse Praxis."

Kinder werden beschenkt

Mazyek erklärte, einige Moscheen würden zwar wieder Nachtgebete und das Freitagsgebet abhalten und auch zum Ende des Ramadans, dem Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) ab Sonntag, seien einige kleinere Veranstaltungen geplant. Der Zentralrat empfehle aber, alle Gemeinschaftsgebete und Festgebete in der Moscheegemeinschaft bis Ende Mai auszusetzen. Das dreitägige Fest des Fastenbrechens ist neben dem Opferfest das wichtigste Fest im Islam. Die Familien besuchen sich untereinander, essen und trinken gemeinsam und beschenken die Kinder.

Außenminister Heiko Maas (SPD) nannte es "bedrückend, dass die von den Vereinten Nationen ausgerufene weltweite humanitäre Waffenruhe auch im Ramadan an so vielen Stellen dieser Welt nicht befolgt wurde". "Mit größter Rücksichtslosigkeit versuchen einige, im Schatten der Corona-Krise militärische Fakten zu schaffen", erklärte er am Freitag in Berlin. Die Bundesregierung werde nicht nachlassen, sich weltweit für die Lösung von Konflikten und die Bewältigung der Folgen der Corona-Krise einzusetzen.

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