Deutsche trinken weiterhin zu viel Alkohol

epd-bild/Maike Glöckner

Alkoholtrinken und Rauchen

Alkoholtrinken und Rauchen

In Deutschland nimmt die Zahl der Raucher etwas ab. Es wird aber unverändert viel Alkohol getrunken. Das aktuelle Jahrbuch Sucht zeigt: Bei der Prävention muss noch viel getan werden.

In Deutschland wird nach Angaben von Suchtexperten nach wie vor zu viel Alkohol getrunken. Jeder Bundesbürger ab 15 Jahren hat im Jahr 2017 durchschnittlich 10,5 Liter Reinalkohol getrunken, wie aus dem am Mittwoch in Hamm veröffentlichten "Jahrbuch Sucht 2020" der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) hervorgeht. Das ist nur leicht weniger als im Vorjahr. Deutschland zähle noch immer international zu den Hochkonsumländern, erklärten die Suchtexperten. Einen Anstieg gab es auch beim Tabak für Wasserpfeifen sowie beim Drogenkonsum und Medikamentenmissbrauch.

Der Gesamtverbrauch an alkoholischen Getränken in Deutschland stieg nach Angaben der Suchtexperten im Jahr 2018 um 0,3 Liter auf 131,3 Liter an alkoholischen Getränken je Einwohner. Diese Menge entspreche in etwa einer Badewanne an Bier, Wein, Schaumwein und Spirituosen, erklärte die Hauptstelle für Suchtfragen. Insgesamt drei Millionen Erwachsene zwischen 18 und 64 Jahren in Deutschland hatten demnach im Jahr 2018 eine alkoholbezogene Störung. Je zur Hälfte geht es dabei um Missbrauch (1,4 Millionen) und Abhängigkeit (1,6 Millionen).

Rund 74.000 Todesfälle werden den Angaben nach jährlich allein durch Alkoholkonsum oder den kombinierten Konsum von Tabak und Alkohol verursacht. Etwa 13,5 Prozent aller Todesfälle in Deutschland seien auf die Folgen des Rauchens zurückzuführen.

Zahl der Raucher rückläufig

Die Zahl der Raucher in Deutschland ist weiterhin rückläufig. Raucher sind nach Daten der Suchtexperten 26 Prozent der Männer und 19 der Frauen ab 15 Jahren. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Zigaretten lag im Jahr 2019 bei 900. Bei Jugendlichen sei der Trend zum Nichtrauchen bereits seit rund 15 Jahren zu beobachten. Es gebe jedoch weiterhin erheblichen Nachholbedarf bei der nachhaltigen Verringerung des Tabakkonsums und beim verbesserten Nichtraucherschutz, hieß es.

Mit insgesamt 74,6 Milliarden wurden den Angaben zufolge 0,3 Prozent mehr Fertigzigaretten als im Vorjahr konsumiert. Der Verbrauch von Feinschnitt ging um zwei Prozent auf 23.813 Tonnen zurück. Das entspreche etwa 35,7 Milliarden selbst gedrehter Zigaretten.

Erneut stark angestiegen ist nach Angaben der Suchtexperten der Konsum von Wasserpfeifentabak und Pfeifentabak. Im Jahr 2019 wurden 4.150 Tonnen verbraucht. Das sei ein Plus von fast 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das sei vor allem auf die Beliebtheit des speziellen Wasserpfeifentabaks zurückzuführen sein, den vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in Shisha-Bars oder zu Hause rauchten.

Illegale Drogen

Nach Hochrechnungen waren nach Angaben der Suchtexperten im Jahr 2018 309.000 Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren abhängig von Cannabis. Rund 41.000 der bis 64-Jährigen waren abhängig von Kokain, 103.000 Menschen von Amphetaminen. Derzeit erhalten 79.400 Menschen in Deutschland eine Substitutionstherapie. Die Zahl der polizeilich registrierten drogenbedingten Todesfälle lag im Jahr 2019 bei fast 1.400. Das ist Anstieg von 9,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1.276 Drogentote).

Aktuellen Schätzungen zufolge hätten 15,2 Millionen Erwachsene im Alter sowie etwa 477.000 Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren mindestens einmal in ihrem Leben eine illegale Droge konsumiert, hieß es weiter. Nach wie vor nehme Cannabis in allen Altersgruppen unter den illegalen Drogen die prominenteste Rolle ein.

Erhöht hat sich den Angaben zufolge auch der Missbrauch von Medikamenten. Schätzungen zufolge seien bis zu 1,9 Millionen Menschen in Deutschland medikamentenabhängig. Dabei gehe es vor allem um rezeptpflichtige Beruhigungs- und Schlafmittel sowie opioidhaltigen Schmerzmittel. Betroffen seien vor allem ältere Frauen, weil sie häufig über einen langen Zeitraum Psychopharmaka verordnet bekommen.

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