Huthi-Führung im Jemen kündigt Freilassung der Bahai an

epd-bild/Andrea Enderlein

Angehörige der Bahai legen ihre Hände zum Bahai-Symbol zusammen. (Archivbild)

Angehörige der Bahai legen ihre Hände zum Bahai-Symbol zusammen. (Archivbild)

Im Jemen lässt die politische Führung inhaftierte Bahai frei und begnadigt den wegen Spionage für Israel angeklagten Hamed bin Haydara. Die Glaubensgemeinschaft der Bahai in Deutschland begrüßte die Freilassung.

Die politische Führung im Jemen hat nach Angaben von Menschenrechtlern die Freilassung aller im Jemen inhaftierten Bahai angekündigt. Dies habe der Präsident des Obersten Politischen Huthi-Rates, Mahdi al-Maschat, in einer Fernsehansprache bekanntgegeben, teilte der Nationale Geistige Rat der Bahai in Deutschland am Mittwochabend in Berlin mit.

Auch der wegen Spionage für Israel angeklagte Hamed bin Haydara werde begnadigt. Sein Todesurteil war erst am Sonntag bestätigt worden. Insgesamt sechs Bahai seien im Jemen zu Unrecht wegen ihrer religiösen Überzeugung inhaftiert. Die religiöse Gemeinschaft forderte, die Anklagen gegen 20 Angehörige der Glaubensgemeinschaft müssten nun auch fallengelassen werden.

Freilassung überfällig

Die Bahai in Deutschland begrüßten die Freilassung. "Es kam wirklich sehr überraschend", sagte deren Menschenrechtbeauftragter Jascha Noltenius in Berlin dem Evangelischen Pressedienst (epd). Der internationale Druck, unter anderem von Deutschland und den USA, sei aber sehr hoch gewesen. Die Huthi-Gruppe, die im Norden des Jemen und in der Hauptstadt Sanaa die De-facto-Regierung bildeten, bemühten sich um internationale Anerkennung.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker nannte die Freilassung der Bahai im Jemen überfällig. "Die Verfolgung dieser friedlichen religiösen Minderheit basierte von Anfang an auf haltlosen Anschuldigungen und lächerlichen Schauprozessen", sagte der Nahostexperte der Organisation, Kamal Sido. Die Bahai müssten auch ihre beschlagnahmten Besitztümer zurückerhalten. "Hoffentlich wird es den Bahai und allen weiteren religiösen Gruppen im Jemen künftig möglich sein, ihren Glauben frei von staatlicher Repression auszuleben", sagte Sido.

Für den zum Tode verurteilten Haydara hatte sich auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler (SPD), eingesetzt. Haydara wurde im Dezember 2013 in Haft genommen und am 2. Januar 2018 zum Todede verurteilt. Die Berufung gegen das Todesurteil wurde erst am vergangenen Sonntag abgewiesen. Faktisch sei er durch ein Huthi-Sondergericht aufgrund seines religiösen Glaubens verurteilt worden, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker.

Rund sieben Millionen Angehörige

Die Glaubensgemeinschaft der Bahai hat weltweit rund sieben Millionen Angehörige, davon bis zu 2.000 im Jemen. In Gebieten, die nicht von den Huthi kontrolliert werden, gibt es laut den Bahai in Deutschland keine Verfolgung.

Die Bahai-Religion geht auf den Stifter Baha Ullah (1817-1892) zurück. Die aus dem Persischen stammende Universalreligion lehrt einen Monotheismus eigener Prägung. Die Bahai verpflichten sich der Toleranz, dem Frieden und einer humanitären Vision des sozialen Fortschritts. Im Iran werden sie stark verfolgt. In Deutschland gibt es etwa 6.000 Bahai.

Im Jemen kämpfen die Regierung und eine Militärkoalition unter Führung von Saudi-Arabien seit fünf Jahren gegen die Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. 80 Prozent der rund 30 Millionen Jemeniten brauchen humanitäre Hilfe und Schutz. Die UN bezeichnen den Konflikt derzeit als die größte humanitäre Krise weltweit, mehr als 10.000 Menschen wurden getötet.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.