Huber hofft auf Frauenordination bei Katholiken

epd-bild/Juergen Blume

Altbischof Wolfgang Huber (Archivbild)

Altbischof Wolfgang Huber (Archivbild)

Der evangelische Alt-Bischof Wolfgang Huber und Kardinal Walter Kasper würdigten am Dienstagabend in Leipzig das gemeinsam Erreichte. Unterschiede wurden an gewohnter Stelle deutlich: bei Amtsverständnis und Frauenordination.

Der evangelische Theologe Wolfgang Huber hält weitere Schritte zum Priestertum für Frauen für unumkehrbar. Er könne sich überhaupt nicht vorstellen, dass es einen ökumenischen Weg geben könnte, "bei dem wir diesen Schritt wieder rückgängig machen würden", sagte der frühere Berliner Bischof am Dienstagabend in Leipzig.

In Deutschland hofften evangelische Christen daher, "dass die Teilhabe von Frauen im katholischen Bereich auch wächst und nicht zurückgeht", betonte Huber. Jedoch sei der Unterschied "im Moment ganz offenkundig und eklatant".

Keine Absage an die Ökumene

Dies sei jedoch keine Absage an die Ökumene, sagte Huber. Vielmehr könnten diese Unterschiede "auch ein Ansporn sein, dass unsere Kirchen mit diesen Herausforderungen in einer für sie geeigneten Weise umgehen", sagte er und richtete den Blick zugleich selbstkritisch nach Lettland. Dort hatte die Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche 2016 Frauen vom Priesteramt ausgeschlossen.

Zugleich würdigte Huber, der von 2003 bis 2009 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) war, den "synodalen Weg" in der katholischen Kirche als Chance für die Ökumene. Der Prozess sei "eine beeindruckende Diskussion über mögliche Veränderungen", sagte er. Evangelische Christen nähmen diese in allen Schattierungen und mit großer Aufmerksamkeit wahr.

Machtstrukturen, Sexualmoral und das Zölibat

Der Prozess sei damit "in sich selbst ein wichtiger Beitrag zum ökumenischen Weg", erklärte Huber. Manche der Überlegungen würfen auch die Frage auf, ob die Aufgaben Lehre, Liturgie und Leiten in der katholischen Kirche "notwendigerweise in einer Hand vereinigt sein müssen". "Mit Bewegungen dieser Art würde auch die ökumenische Situation beeinflusst", erklärte Huber.

Die deutschen katholischen Bischöfe hatten im März Reformvorstellungen formuliert. In einem zweijährigen Beratungsprozess des "synodalen Wegs" mit der Laienorganisation "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" und außerkirchlichen Experten soll es um Machtstrukturen, Sexualmoral und das Zölibat der Priester gehen.

Ökumene sei "kein Verlustgeschäft"

Huber debattierte in Leipzig mit dem früheren vatikanischen "Ökumene-Minister", Kardinal Walter Kasper (86), zum Thema "Die Zukunft der Ökumene im 21. Jahrhundert". Eingeladen hatten die Evangelische Akademie Meißen, die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und der Leipziger Universitätsprediger.

Kasper sagte, die Ökumene habe in den vergangenen Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht. Besuche des Papstes beim Lutherischen Weltbund oder der EKD-Spitze im Vatikan seien noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen und "keine Symboldiplomatie, sondern tiefe, christliche und menschliche Begegnungen", betonte Kasper, der bis 2010 Präsident des Päpstlichen Rats für die Einheit der Christen war. Ökumene sei "kein Verlustgeschäft, sondern ein Gewinn und eine Freude für beide".

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