UN: Afrikanische Migranten oft besser ausgebildet

epd-bild/Stefano dal Pozzolo/Agenzia Romano Siciliani

Ein afrikanischer Flüchtling am Bahnhof Tiburtina in Rom. (Archivbild)

Ein afrikanischer Flüchtling am Bahnhof Tiburtina in Rom. (Archivbild)

Wer aus Afrika nach Europa kommt, gehörte dort oft zur Mittelschicht. Viele der Migranten hatten laut einer Studie der UN in der Heimat einen Job. Eine Perspektive gab er den Betreffenden aber nicht. Deutsche Entwicklungshilfe will darauf reagieren.

Die Familie unterstützen, den Kindern Bildung ermöglichen: Die Hoffnung auf ausreichendes Einkommen geben afrikanische Migranten in einer Studie des UN-Entwicklungsprogramms (UNDP) als wesentlichen Antriebsgrund zur Flucht nach Europa an. Dabei sei oft nicht die Suche nach einem Job an sich Motivation gewesen, heißt es in dem am Montag veröffentlichten Bericht. Denn fast 60 Prozent der 1.970 Befragten hätten entweder einen Arbeitsplatz gehabt oder seien zur Schule gegangen. Das Einkommen habe aber nicht gereicht. Für die Bundesregierung ist das keine neue Erkenntnis. Sie will daher darauf setzen, nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen.

Etwa zwei Drittel der Menschen gaben dem Bericht zufolge an, die Einkünfte oder die Perspektive auf Einkommen im Heimatland hätten sie nicht von der gefährlichen Flucht stoppen können. Dabei verfügten sie im Schnitt über mindestens drei Jahre längere Schul- oder Ausbildung als die in den Heimatländern Zurückgebliebenen. Befragt wurden Afrikaner aus 39 Ländern, die auf irregulären Wegen nach Europa kamen. Hindernisse für Chancen oder die Abwesenheit von Wahlmöglichkeiten zeigten sich als wesentlicher Faktor bei der Entscheidung für die Migration, erklärte UNDP-Chef Achim Steiner.

Nachhaltige Arbeitsplätze schaffen

"Es sind nicht die Hungernden, die sich auf den Weg als Migranten machen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Diese Beobachtung sei seit einiger Zeit offenkundig. Menschen, die in Afrika zur Mittelschicht gehören, hätten überhaupt erst die Mittel, um zu migrieren, ergänzte ein Sprecher des Entwicklungsministeriums: "Die Allerärmsten können sich gar nicht erst auf den Weg machen."

Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit reagiert nach seinen Worten, indem sie Unterstützung für berufliche und wirtschaftliche Perspektiven leisten will. Arbeitsplätze in der sogenannten "informellen Wirtschaft" in Afrika hätten einen prekären Charakter, erklärte Seibert. Absicht deutscher Unterstützung sei es, auf Basis von Ausbildungen nachhaltige Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei verwies er auf die von der Bundesregierung gestartete "Partnerschaft mit Afrika", die für Investitionen auf dem Kontinent wirbt, um damit Perspektiven zu schaffen.

Die Studie der UN ergab auch, dass gut die Hälfte der Migranten für die Reise nach Europa von Verwandtschaft und Freunden unterstützt wurden. Etwa 78 Prozent schickten nun Geld zurück. Vielfach hätten die Menschen aber ein Gefühl des Versagens, nicht ausreichend finanzielle Mittel in die Heimat transferieren zu können, hieß es. Trotz aller Gefahren würden sie die Migration nach Europa aber wieder wagen, erklärten 93 Prozent der Afrikaner.

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