Studie: Nichtbeachtung macht Langzeitarbeitslose zu Nichtwählern

Sie hätten das Gefühl, dass Politiker sich nicht um sie kümmern und sie "zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig zu haben".
Deutschland spricht 2019

Langzeitarbeitslose sind einer Studie zufolge häufig Nichtwähler, weil sie keine Hoffnung haben, dass sich an ihrer Lebenssituation etwas ändert. Sie hätten das Gefühl, dass Politiker sich nicht um sie kümmern und sie "zum Sterben zu viel und zum Leben zu wenig zu haben", sagte Marc Hentschke, Vorstandsvorsitzender des Evangelischen Fachverbands für Arbeit und soziale Integration (EFAS), am Mittwoch bei der Präsentation der Studie in Nürnberg. In der Untersuchung mit dem Titel "Unerhört! Langzeitarbeitslose Nichtwähler melden sich zu Wort" werden Interviews analysiert, die Langzeitarbeitlose über ihr Schicksal mit anderen Langzeitarbeitlosen geführt haben. Statistiken legt die Studie nicht vor.

"Alarmsignal"

Kafkaeske Erlebnisse mit Behörden, Berichte über Krankheiten und andere Probleme führten "eine brennende soziale Frage vor Augen", sagte Hentschke. Die Betroffenen seien der Meinung, dass sie von den Politikern nicht gehört und nicht gesehen werden. "Die kümmern sich keinen Dreck um uns" oder "Man nimmt uns nicht wahr" seien Motive für das Nichtwählen gewesen, sagte der Soziologe Franz Schultheis (Friedrichshafen), der die Arbeit wissenschaftlich begleitet hat. Die Betroffenen wollten außerdem mit der Ablehnung der Stimmabgabe zeigen, dass sie sich dem politischen System verweigern.

Der Präsident der Diakonie Bayern, Michael Bammessel, nannte die Studie ein Alarmsignal, weil eine große Gruppe im Urnengang keinen Sinn mehr sehe. Er fürchtet, dass Unfrieden, Risse und Spalte in der Gesellschaft größer würden. Die Folgen träfen wiederum die Schwächeren in der Gesellschaft.

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