Vom Freiheitshelden zum Tyrannen: Robert Mugabe ist tot

Robert Mugabe sonnte sich in seinem Charisma als aufrechter Kämpfer gegen die Kolonialherrschaft in Afrika. Doch sein zweites Gesicht war ein skrupelloses Klammern an die Macht. Sein Tod löste unterschiedliche Reaktionen aus.

Simbabwes Ex-Präsident Robert Mugabe ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Sein Nachfolger Emmerson Mnangagwa gab Mugabes Tod am Freitag auf Twitter bekannt und bekundete seine "äußerste Traurigkeit". Mugabe starb in einem Krankenhaus in Singapur, in dem er seit April behandelt wurde. Der einstige Freiheitskämpfer regierte Simbabwe 37 Jahre lang bis zu seinem Sturz im November 2017. Er war wegen seines autoritären Regierungsstils, des wirtschaftlichen Niedergangs und Menschenrechtsverletzungen umstritten.

Zum Tod des langjährigen Staatschefs gab es ein geteiltes Echo. Mugabes Nachfolger Mnangagwa würdigte die Verdienste des Verstorbenen im Unabhängigkeitskrieg. Mugabe sei eine "Ikone der Befreiung" und ein Verfechter der afrikanischen Einheit, der sein Leben der Emanzipation seines Volkes gewidmet habe, twitterte er. Mnangagwa brach einen Südafrika-Besuch vorzeitig ab.

"Erbe ist Gewalt, Korruption und Machtmissbrauch"

Der oppositionelle simbabwische Menschenrechtsanwalt David Coltart twitterte hingegen, das Erbe Mugabes sei "Gewalt, Missachtung der Rechtsstaatlichkeit, Korruption und Machtmissbrauch". Seine Partei "Bewegung für Demokratischen Wandel" (MDC) bekundete Trauer um Simbabwes "Vater der Nation", betonte aber auch Differenzen mit ihm, vor allem bei der Achtung der Menschenrechte.

Auch in Südafrika wurde Mugabe als Freiheitskämpfer gewürdigt. Präsident Cyril Ramaphosa nannte Mugabe einen herausragenden Führer Afrikas, der auch den Kampf gegen die Apartheid in Südafrika stark unterstützt habe. "Wir senken unsere Köpfe zu seinem Gedenken", sagte er. "Wir werden ihm immer dankbar sein."

Der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta lobte Mugabes Einsatz für die Interessen des afrikanischen Kontinents. Er sei ein mutiger Mann gewesen, "der nie Angst davor hatte, für etwas zu kämpfen, was er für richtig hielt, auch wenn es unpopulär war."

Bundesregierung bleibt in Sorge

Die Bundesregierung blicke weiter mit Sorge nach Simbabwe, sagte der Afrika-Beauftragte von Bundeskanzlerin Angela Merkel, Günter Nooke (beide CDU). Unter dem neuen Präsidenten Mnangagwa habe sich wenig verändert: "Man macht eben so weiter, wie auch Mugabe regiert hat", sagte er im SWR-Rundfunk. "Die Menschen leiden weiter."

Mugabe wurde am 21. Februar 1924 als Sohn eines Tischlers geboren und zum Lehrer ausgebildet. Im Kampf für die Freiheit der ehemaligen britischen Kolonie Südrhodesien war er jahrelang in Haft. Nach der Unabhängigkeit 1980 wurde er Regierungschef und 1987 Staatschef. Mugabe baute ein autoritäres System auf. Im November 2017 erzwang das Militär seinen Rücktritt. Seine fast vier Jahrzehnte währende Regierungszeit war von Übergriffen gegen Kritiker, Korruption und einer schweren Wirtschaftskrise geprägt. Fast drei Viertel der 16 Millionen Simbabwer leben in Armut.

Simbabwe sei immer noch weit von einem demokratischen Rechtsstaat entfernt, sagte die Afrika-Expertin Melanie Müller (35) dem Evangelischen Pressedienst (epd). Mugabes Nachfolger Mnangagwa stamme aus dem Militär. Er schien 2017 laut Müller zunächst einen Kurs der politischen Öffnung einzuschlagen: "Die Lage schien sich zu entspannen, Kritik zu äußern, wurde möglich."

"Es geht bergab"

Doch bei den Wahlen Ende Juli/Anfang August 2018 sei es zu Angriffen der Sicherheitskräfte auf Demonstranten gekommen, sechs Menschen seien getötet worden. "Seitdem geht es eher bergab", warnte die Mitarbeiterin der Stiftung Wissenschaft und Politik. Repressalien gegen die Zivilgesellschaft und die Opposition häuften sich.

"Mnangagwa ist in die Enge getrieben", analysierte die Afrika-Expertin. Er habe es nicht geschafft, das Land ökonomisch zu stabilisieren. Die wirtschaftliche Situation sei dramatisch. Reformen kämen nicht voran. "Anstatt die Probleme zu lösen, greift Mnangagwa auf die alten repressiven Methoden zurück, um kritische Stimmen im Keim zu ersticken", warnte Müller. Als problematisch bezeichnete sie auch die mächtige Stellung des Militärs: "Es darf nicht sein, dass Soldaten gegen Demonstranten eingesetzt werden. Eine Reform des Sicherheitsapparats ist dringend notwendig."

An die internationale Gemeinschaft appellierte die Expertin, konsequent und koordiniert Reformen in Simbabwe einzufordern und zu unterstützen. Ohne freie Presse und Meinungsfreiheit könne sich die Lage nicht verbessern.

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