Studie: Kaiserschnitt-Kinder werden häufiger krank

epd-bild/Jürgen Blume

Vater mit Baby

Vater mit Baby

Kaiserschnitte sind in Deutschland häufiger als in anderen westeuropäischen Ländern. Für die Kinder bergen sie Risiken: Sie werden in den ersten acht Lebensjahren öfter krank und zeigen mehr Entwicklungsstörungen.

Kaiserschnitt-Kinder werden in den ersten acht Jahren ihres Lebens häufiger krank als andere. Eine Langzeit-Studie der Techniker Krankenkasse (TK), die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde, liefert dazu neue Zahlen. Die Autoren sehen auch mehr Entwicklungsstörungen als bei Kindern, die auf natürlichem Weg geboren wurden.

Erhöhtes Risiko für ADHS

Dem TK-Kindergesundheitsreport zufolge steigt das Risiko für leichte und mittlere Entwicklungsstörungen um neun Prozent, wenn ein Baby per Kaiserschnitt zur Welt kam. Um zehn Prozent höher ist das Risiko, dass das Kind in den ersten acht Lebensjahren eine chronische Bronchitis bekommt. Allergien kommen bei Kaiserschnitt-Kindern ebenfalls häufiger vor als bei anderen Kindern. Das Risiko für ADHS ("Zappelphilipp-Syndrom") steigt der Studie zufolge um 16 Prozent.

Für den Report wurden die Abrechungsdaten von knapp 39.000 im Jahr 2008 geborenen Kindern über die Jahre 2008 bis 2016 ausgewertet. Bei 19 Krankheitsgruppen, die Kinder in den ersten Lebensjahren häufig betreffen, zeigte sich ein höheres Erkrankungsrisiko für Mädchen und Jungen, die per Kaiserschnitt zur Welt kamen. Darunter sind allein sechs Krankheitsgruppen, denen Entwicklungs- und Verhaltensstörungen zuzurechnen sind.

Betonung auf Vorsorgeuntersuchungen

Der TK-Vorstandsvorsitzende Jens Baas erklärte, im Interesse der Kinder müssten medizinisch nicht notwendige Kaiserschnitte vermieden werden. Sie hätten weitreichendere Folgen, als vielen bewusst sei, sagte er. Bei den Vorsorgeuntersuchungen der Kinder müsse insgesamt stärker auf die erhöhten Krankheitsrisiken durch eine Kaiserschnitt-Geburt und auf mögliche Entwicklungsverzögerungen geachtet werden.

Die Kaiserschnittrate liegt in Deutschland mit 30,5 Prozent über dem westeuropäischen Durchschnitt (27 Prozent). Regional sind die Kaiserschnitt-Raten laut der TK-Studie sehr unterschiedlich. Im Saarland werden am häufigsten Kaiserschnitte vorgenommen (31 Prozent der Entbindungen), in Sachsen am seltensten (20 Prozent).

Diese und andere Einflüsse wurden statistisch bereinigt, so dass die TK-Studie Auskunft darüber gibt, wie stark sich allein infolge einer Kaiserschnitt-Geburt das Krankheitsrisiko der Kinder erhöht. Die Gründe dafür müssten weiter untersucht werden, hieß es.

Bisher weiß man aus Langzeitstudien in Dänemark, dass Kaiserschnitt-Kinder bis zu ihrem 15. Lebensjahr häufiger an Asthma, Nahrungsmittelallergien oder Leukämie leiden. Entwicklungsstörungen wurden in den dänischen Studien nicht untersucht.

Insgesamt sind dem TK-Report zufolge Kinder in den ersten acht Jahren ihres Lebens überwiegend gesund. Am häufigsten haben sie Atemwegserkrankungen, Ohrenentzündungen und Hautprobleme. Zu den 20 häufigsten Erkrankungen gehören auch die chronische Bronchitis und Entwicklungsstörungen.

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