Pflegeexperte kritisiert Uneinigkeit bei Personaluntergrenzen

epd-bild/Christian Ditsch

Der Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus

Der Pflegebevollmächtige der Bundesregierung, Andreas Westerfellhaus

Für Andreas Westerfellhaus, Pflegebevollmächtigter des Bundes, ist es ein "Offenbarungseid", dass sich Kassen und Krankenhäuser nicht über eine Ausweitung der Personaluntergrenzen für die Bereiche Herzchirurgie und Neurologie geeinigt haben.

Der Pflegebevollmächtigte des Bundes und die Deutsche Stiftung Patientenschutz haben die Kassen und Krankenhäuser nach dem Scheitern ihrer Gespräche über eine Ausweitung der Personaluntergrenzen für die Bereiche Herzchirurgie und Neurologie scharf kritisiert. "Das ist ein Offenbarungseid der sogenannten Selbstverwaltung unseres Gesundheitswesens", sagte Andreas Westerfellhaus der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag). Nun müsse erneut das Gesundheitsministerium eingreifen, um Patientengefährdung durch zu wenige Pflegekräfte zu verhindern.

"Gefährliche Pflege"

Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, bezeichnete die "Grabenkämpfe" zwischen GKV-Spitzenverband und Krankenhausgesellschaft gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd) als unerträglich. Leidtragende seien die Patienten, "mit deren Sicherheit gespielt wird", betonte Brysch. Er forderte eine bundesweit einheitliche Personalbemessung auf allen Stationen, "damit gefährliche Pflege überall verhindert wird". Dafür müsse Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sorgen. Andernfalls bleibe die klinische Personalversorgung weiter ein Flickenteppich.

2019 waren bereits gesetzliche Personaluntergrenzen für die Intensivmedizin, Geriatrie, Kardiologie und Unfallchirurgie eingeführt worden. So ist vorgeschrieben, dass für zehn Patienten in der Geriatrie mindestens eine Pflegekraft verfügbar ist. Kassen und Krankenhäuser sollten in einem zweiten Schritt Untergrenzen für die Herzchirurgie und Neurologie festlegen. Doch die Gespräche scheiterten.

Der GKV-Spitzenverband der Krankenkassen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) schoben sich gegenseitig die Schuld zu. Ohne Einigung der Selbstverwaltung muss nun Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) festlegen, wie viele Pflegekräfte sich ab 2020 mindestens um die Patienten kümmern müssen.

Neue Lesermeinung schreiben

Wir freuen uns über einen anregenden Meinungsaustausch. Wir begrüßen mutige Meinungen. Bitte stützen Sie sie mit Argumenten und belegen Sie sie nachvollziehbar. Vielen Dank! Damit der Austausch für alle ein Gewinn ist, haben wir Regeln:

  • keine werblichen Inhalte
  • keine Obszönitäten, Pornografie und Hasspropaganda
  • wir beleidigen oder diskriminieren niemanden
  • keine nicht nachprüfbaren Tatsachenbehauptungen
  • Links zu externen Webseiten müssen zu seriösen journalistischen Quellen führen oder im Zweifel mit einem vertretbaren Prüfaufwand für die Redaktion verbunden sein.

Die Redaktion behält sich das Recht vor, Beiträge zu bearbeiten, macht dies aber stets kenntlich. Wir zensieren nicht, wir moderieren.
Wir prüfen alle Beiträge vor Veröffentlichung. Es besteht kein Recht auf Publikation eines Kommentars.