Chemnitzer erinnern mit Gottesdienst an Daniel H.

Mit einem Friedensgottesdienst in der Chemnitzer Stadtkirche St. Jakobi ist am Montag an den gewaltsamen Tod von Daniel H. vor einem Jahr erinnert worden.

Eingeladen hatten dazu am Jahrestag der tödlichen Messerattacke evangelische und katholische Gemeinden der Stadt. Im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst (18 Uhr) wollten Teilnehmer eine Menschenkette um die Stadtkirche St. Jakobi und das Rathaus bilden und damit ein Zeichen für Demokratie und Toleranz setzen.

Chemnitzer Initiativen hatten am Wochenende das Bürgerfest "Herzschlag" veranstaltet. Es wurde für das zuvor abgesagte Stadtfest ins Leben gerufen und zog nach Veranstalterangaben mehr als 65.000 Menschen an. Für 2020 ist eine Wiederauflage geplant.

Mitverantwortlicher immer noch auf der Flucht

Am 26. August 2018 war der 35 Jahre alte Daniel H. am Rande des Chemnitzer Stadtfestes erstochen worden. Vergangene Woche wurde ein 23-jähriger Syrer wegen gemeinschaftlichen Totschlags an Daniel H. und gefährlicher Körperverletzung an einer weiteren Person zu neuneinhalb Jahren Haft verurteilt. Er soll die Tat gemeinsam mit einem bis heute flüchtigen Iraker verübt haben. Die Verteidigung ging in Revision.

Rechte Gruppen, darunter "Pro Chemnitz", hatten die Tat wiederholt für ausländerfeindliche Demonstrationen instrumentalisiert. Dabei kam es zu Ausschreitungen und Attacken gegen ausländisch aussehende Personen.

Mehr offener Rechtsextremismus seit Tötungsdelikt

Am Sonntagabend hatte "Pro Chemnitz" erneut demonstriert. Rund 450 Menschen nahmen nach Polizeiangaben daran teil. Zu einer Gegenveranstaltung kamen etwa 300 Menschen. Eine weitere Versammlung unter dem Motto "Herz statt Hetze" vereinte rund 100 Teilnehmer.

Seit Ende 2018 wird die "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" vom sächsischen Verfassungsschutz beobachtet. Nach Angaben des Landesamtes haben Mitglieder von "Pro Chemnitz" seit dem Tötungsdelikt "erkennbar rechtsextremistische Inhalte verbreitet".

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