Amazonas-Waldbrände: Druck auf Bolosonaro wächst

epd-bild / Anja Kessler

Gerodeter Regenwald in Brasilien (Archivbild)

Gerodeter Regenwald in Brasilien (Archivbild)

Macron, Merkel, Maas: International sorgen sich Politiker um die Zukunft des brasilianischen Regenwaldes, der seit Tagen brennt. Brasiliens Präsident Bolsonaro verbietet sich Ratschläge von außen. Für seine Haltung erntet er Kritik.

Politiker und Verbände zeigen sich besorgt über die Zukunft des Regenwaldes in der Amazonas-Region. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron ihre Unterstützung zu, die Waldbrände in Brasilien zum Thema des G7-Treffens zu machen. Nach Merkels Überzeugung gehöre "diese akute Notlage des Amazonas-Regenwaldes auf die Tagesordnung" des Treffens, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. Auch zahlreiche Organisationen der Zivilgesellschaft sehen die internationale Gemeinschaft in der Pflicht, Bolsonaro zu einem Umschwenken in seiner Amazonas-Politik zu bewegen.

Macron hatte vorgeschlagen, die Waldbrände und die ungebremste Abholzung des Amazonas-Regenwaldes zum Thema des G7-Treffens an diesem Wochenende im französischen Biarritz zu machen. "Unser Haus brennt", schrieb Macron auf Twitter. Es handele sich um eine "internationale Krise", denn der Amazonas-Regenwald produziere 20 Prozent des weltweiten Sauerstoffs. Bolsonaro warf Macron daraufhin ebenfalls auf Twitter "kolonialistisches Denken" vor. Es sei "schamlos", wenn ein ausländischer Staatschef von "unserem Amazonas" spreche. Bolsonaro gab aber zu, dass Agrarproduzenten verdächtigt würden, die Feuer auszunutzen. Nach der internationalen Kritik an seiner Haltung rief Bolsonaro eine Krisensitzung ein und verpflichtete alle Ministerien, Maßnahmen zur Bekämpfung der Waldbrände zu ergreifen.

Maas sieht die Weltgemeinschaft in der Pflicht

Außenminister Heiko Maas (SPD) bot deutsche Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände an. "Wenn wochenlang der Regenwald brennt, dann kann uns das nicht kalt lassen", sagte Maas dem "RedaktionsNetzwerk Deutschland". Maas sieht die Weltgemeinschaft in der Pflicht, Hilfe zu leisten. "Wir dürfen nicht zulassen, dass Brände die grüne Lunge der Welt zerstören", sagte der Außenminister.

Innerhalb von 48 Stunden brachen nach Angaben der Zeitung "Folha de São Paulo" fast 2.500 neue Feuer aus. In den meisten Fällen seien Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und in indigenen Gebieten brenne es. Besonders betroffen sei der Bundesstaat Mato Grosso, in dem vor allem Rinderzucht betrieben wird.

Nach Angaben der US-Weltraumbehörde Nasa besteht ein Zusammenhang zwischen der illegalen Abholzung des Amazonas und dem Ausbruch der Feuer. Laut Satellitenbildern habe die Abholzung in den Regionen zugenommen, in denen das Feuer ausgebrochen ist. Den Forschern zufolge kommt es über dem Amazonas zu Wolkenbildungen, die es ansonsten nur bei Vulkanausbrüchen gibt.

Brandbeschleuniger für ökologischen Raubbau

Das evangelische Hilfswerk "Brot für die Welt" unterstützt Macrons Vorschlag, die Amazonas-Politik beim G7-Treffen zum Thema zu machen. "Die G7 und die EU sind jetzt in der Pflicht zu handeln", erklärte Klaus Seitz von "Brot für die Welt". Die EU müsse die Verhandlungen zu dem Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten sofort unterbrechen, verlangte er. Das Abkommen sei in der aktuellen Situation ein Brandbeschleuniger für ökologischen Raubbau, Menschenrechtsverletzungen und Repression gegen eine kritische Zivilgesellschaft.

Auch das katholische Hilfswerk Adveniat kritisierte das EU-Mercosur-Abkommen scharf. "Die versprochenen niedrigeren Zölle auf Importe von Rindfleisch und Soja aus Südamerika führen zu mehr Abholzung und mehr Anbauflächen", erklärte Klemens Paffhausen vom Lateinamerika-Referat. Großgrundbesitzer würden den Wald gezielt in Brand stecken.

Experten erwarten in diesem Jahr einen Anstieg um insgesamt 45 Prozent der illegalen Abholzung des Amazonas-Regenwaldes im Vergleich zum Vorjahr. Derzeit verschwindet im Amazonasgebiet eine Waldfläche von bis zu drei Fußballfeldern pro Minute.

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