Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch nicht zu Rückkehr bereit

epd-bild/Nicola Glass

Rohingya in Bangladesch (Archivbild)

Rohingya in Bangladesch (Archivbild)

Jahrelang wurden die Rohingya in ihrer Heimat Myanmar verfolgt, getötet und vertrieben. Jetzt gibt es Bestrebungen, sie aus dem Exil in Bangladesch wieder nach Myanmar zu bringen. Erste Versuche scheiterten.

In Bangladesch ist offenbar ein neuer Versuch gescheitert, erste Gruppen von Rohingya-Flüchtlingen zurück nach Myanmar zu bringen. Der bangladeschische Flüchtlingskommissar Mohammad Abul Kalam sagte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, dass auch dieses Mal niemand repatriiert würde. Freiwillig sei keiner der Flüchtlinge dazu bereit gewesen. Zuvor hatte Myanmar erklärt, dass zunächst etwa 3.500 Rohingya zurückgeführt werden könnten. Menschenrechtler und Hilfsorganisationen hatten den Plan scharf kritisiert und anhaltende Verfolgung der muslimischen Minderheit in Myanmar angeprangert.

Schon im November 2018 hatte Bangladesch vergeblich versucht, Rohingya zu einer Rückkehr zu bewegen. Nach einer brutalen Militäroffensive von Ende August 2017 sind mehr als 740.000 Rohingya aus Myanmars westlichem Bundesstaat Rakhine nach Bangladesch geflohen. Sie berichteten von Morden, Massenvergewaltigungen, Folter und dem Niederbrennen von Dörfern. UN-Ermittler werfen der myanmarischen Armee Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.

Nur ein Bruchteil erschienen

Im buddhistisch dominierten Myanmar werden die Rohingya seit langem unterdrückt und diskriminiert. Seit Ende der 1970er Jahre hat Bangladesch wiederholt Flüchtlinge aufgenommen. Derzeit beherbergen die Camps in Cox's Bazar im Südosten des Landes etwa eine Million Rohingya.

Zu Befragungen über eine mögliche Repatriierung durch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und bangladeschische Behörden war in den vergangenen zwei Tagen nur ein Bruchteil der Rohingya erschienen. Bei der Gelegenheit betonten sie und andere Flüchtlinge erneut, dass sie nur dann zurückgingen, wenn Myanmar ihnen die Staatsbürgerschaft verleihe und sie sich wieder in ihren Heimatdörfern niederlassen könnten. Auch müssten sie für ihren zerstörten Besitz entschädigt und die Verantwortlichen für die Gräueltaten in Myanmar zur Rechenschaft gezogen werden.

Dramatische Situation

Hilfsorganisationen wiesen am Donnerstag auf die weiterhin dramatische Situation der Menschen in den Flüchtlingscamps hin. Die Frauen, Männer und Kinder dürften sich nicht frei bewegen und hätten keinen Zugang zu Bildung und Arbeit, erklärte die Geschäftsführerin von "Aktion Deutschland Hilft", Manuela Roßbach. "Ein normales Leben scheint unter diesen Bedingungen undenkbar."

Dabei scheine eine sichere Bleibe- oder Rückkehrperspektive weiterhin nicht in Sicht, sagte Roßbach. "Ohne Staatsbürgerschaft in Myanmar oder offiziellen Flüchtlingsstatus in Bangladesch bleiben die Rohingya so etwas wie 'Bürger von Nirgendwo' - schutzlos der Gewalt und Willkür ausgeliefert."

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