Wildtierstiftung protestiert gegen vermehrten Abschuss von Rehen

Die Deutsche Wildtierstiftung hat gegen Pläne protestiert, zum Schutz von Wäldern mehr Rehe abzuschießen. Wildtiere dürften nicht zum Opfer einer verfehlten Waldpolitik werden, sagte Andreas Kinser, Forst- und Jagdexperte der Stiftung, am Mittwoch in Hamburg.

Die Fichtenmonokulturen seien gleichermaßen "Brotbaum des Forstwirtes" wie "Paradies des Borkenkäfers". Doch die forstwirtschaftlichen Fehler vergangener Jahrhunderte würden nicht durch die kurzfristige Aufrüstung der Jäger und einen großangelegten Feldzug gegen die pflanzenfressenden Wildtiere behoben, sagte Kinser.

Nächtliche Jagd ist in Deutschland verboten

Insbesondere der Vorschlag der Grünen in Bayern, Rehe künftig auch in der Nacht zu jagen und dabei Nachtzieltechnik einzusetzen, zeuge von "wildbiologischer Ahnungslosigkeit", sagte Kinser weiter. Außerdem sei dies in Deutschland verboten. Nächtliche Jagd drücke das Wild auf der Suche nach Nahrung immer tiefer in den schützenden Wald, wo es dann noch häufiger an den Bäumen knabbern müsse.

Hohe Populationen an Rehen verhinderten in der Regel das zügige Wachstum junger Bäume. Daher seien sie ein Problem für den Holzertrag der Forstwirtschaft, räumte der Experte ein. Deshalb würden schon jetzt bundesweit Jahr für Jahr weit über eine Million Rehe auf der Jagd geschossen - weit mehr als je zuvor. Doch erfahrene Jagdpraktiker wüssten, wie man im Rahmen der bestehenden Gesetze die notwendige Anzahl an Rehen unter konsequenter Beachtung des Tierschutzes erlegen könne.

Kinser forderte eine "waldbauliche Debatte" darüber, wie die in Jahrhunderten entstandenen forstlichen Monokulturen langfristig in stabile Wälder umgebaut werden können, in denen auch Hirsch und Reh ihren Lebensraum finden.

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