BUND warnt vor "Waldsterben 2.0"

epd-bild / Stefan Arend

Waldsterben im Harz (Archivbild)

Waldsterben im Harz (Archivbild)

Deutschland erlebt laut Experten ein zweites Waldsterben. Trockenheit, Hitze und Stürme setzten den Bäumen zu, Brände toben bereits im Februar. Der BUND warnt vor unabsehbaren Folgen.
Deutschland spricht 2019

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt angesichts der Erderwärmung vor einem "Waldsterben 2.0". In Deutschland seien die Wälder am stärksten von der Klimakrise betroffen, sagte der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger am Mittwoch in Berlin. In Folge der anhaltenden Trockenheit und Hitze der vergangenen Jahre spitze sich die Situation dramatisch zu. "Auch in den Wäldern tickt die Uhr", sagte Weiger.

Die Bäume seien durch den permanenten Eintrag von Luftschadstoffen und durch die Überdüngung aus der Luft geschwächt, der Waldboden sei ausgedorrt. "Waldbrände, Stürme und Massenvermehrungen von Borkenkäfer und Nonne lassen in der Folge ganze Waldbestände aus naturfernen Fichten- und Kiefernmonokulturen zusammenbrechen", sagte Weiger. Betroffen seien besonders die Nadelbaum-Monokulturen in Süddeutschland und Nordostdeutschland. Doch auch einige Buchenwälder seien durch den Klimastress so geschwächt, dass die Bäume ihr Laub frühzeitig abwerfen oder gar absterben.

"Wald muss vor Jagd gehen"

In einem zehn Punkte umfassenden Maßnahmenkatalog fordert der Umweltverband unter anderem einen beschleunigten und finanziell geförderten Waldumbau in naturnahe Laubmischwälder, eine ökologische Bewirtschaftung, mehr Forstpersonal sowie eine stärkere Bejagung von Reh- und Rotwild. "Wald muss vor Jagd gehen", sagte Weiger. Die hohen Rehwildbestände in den Wäldern gefährdeten die Wiederaufforstung, weil das Wild die Setzlinge und Triebe fresse. Zudem sollten mittelfristig fünf und langfristig zehn Prozent der Wälder in Deutschland zu Naturwäldern deklariert werden, die nicht bewirtschaftet sind. Derzeit liege der Anteil bei 2,6 Prozent.

"Wir befinden uns in einer Situation, wie wir sie nach dem erfolgreichen Kampf gegen das Waldsterben Anfang der 80er Jahre nicht für möglich gehalten hätten", sagte Weiger. Waldbrände in den Alpen im Februar und in Brandenburg im April habe es früher nicht gegeben. Dies seien alarmierende Zeichen: "Wir befinden uns im Wettlauf mit der Zeit. Wenn wir jetzt nicht die Ursachen bekämpfen, verlieren wir unsere heutigen Wälder" - mit unabsehbaren Folgen auch für die Trinkwasserversorgung von Millionen Menschen.

Klöckner fordert Programm zur Wiederaufforstung

Die Schäden für Gesellschaft sowie Waldbesitzer durch die Klimakrise seien heute schon enorm. Die Folgekosten durch ein weiteres Aussitzen der Klimakrise durch die Politik seien deutlich höher als die Kosten für längst überfällige Klimaschutzmaßnahmen. "Die Angst vor der AfD im Osten darf nicht zur Blockade der Politik in ganz Deutschland führen", warnte Weiger.

Auch Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) fordert ein großangelegtes Programm zur Wiederaufforstung in Deutschland. Gebraucht würden über eine halbe Milliarde Euro zur Wiederaufforstung, sagte Klöckner an die Adresse des SPD-geführten Finanzministeriums der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post" (Donnerstag). Das Geld müsse aus dem Klimafonds bereitgestellt werden. "Bäume, die heute eingehen und die wir nicht nachpflanzen, fehlen morgen", warnte Klöckner. Ihrem Ministerium zufolge werden mehrere Millionen Bäume benötigt, um den Verlust von insgesamt 110.000 Hektar Wald auszugleichen.

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