Biologe: Wildpflanzen als letzte Reserve gegen das Artensterben

epd-bild/Gerold Meppelink

Frühlingswiese mit Wildpflanzen

Frühlingswiese mit Wildpflanzen

Der Wildpflanzen-Experte Peter Borgmann sieht in der wissenschaftlichen Sammlung von Wildpflanzen-Samen viel Potenzial, um Obst und Gemüse sowie Arzneipflanzen oder Futterpflanzen an Klimaveränderungen anzupassen.
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Sie könne auch dem Artensterben entgegenwirken, sagte der Biologe vom Botanischen Garten der Universität Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Sammlungen ermöglichten Rückkreuzungen, um etwa die Erdbeere mit Hilfe des genetischen Materials der Wilderdbeere widerstandsfähiger gegen Pilzerkrankungen zu machen. Ebenso funktioniere es bei der Arnika-Pflanze im Blick auf Trockenheit.

Der Botanische Garten in Osnabrück hat von 2009 bis 2014 gemeinsam mit den Botanischen Gärten in Berlin, Karlsruhe und Regensburg eine "Saatgut-Genbank für Wildpflanzen für Ernährung und Landwirtschaft" aufgebaut. Von den rund 4.000 Wildpflanzenarten in Deutschland wurde von rund 300 Arten bundesweit Saatgut gesammelt. Für die Koordination des vom Bundesagrarministerium finanzierten Projekts und die noch andauernde Sammlung weiterer Pflanzen ist die Einrichtung in Osnabrück zuständig.

Vitaminreiche Wildtomate

Den Kulturpflanzen seien einige Eigenschaften verloren gegangen, die die ursprüngliche Wildpflanze noch besitze, erläuterte Borgmann. So seien etwa Tomaten auf Größe und einen hohen Fruchtfleischanteil gezüchtet worden. Die Vitamine seien dabei zum Teil auf der Strecke geblieben. Die Wildtomate weise bis zu 20-mal höhere Werte an Provitamin A auf.

Auch eine Resistenz gegen längere Trockenperioden sei in vielen Pflanzen angelegt oder habe sich entwickelt. Die zunehmende Trockenheit in hiesigen Breiten sei nicht erst seit dem vergangenen Sommer spürbar, erläuterte der Biologe. "Bereits seit etwa zehn Jahren beobachten wir einen sinkenden Wasserstand in den Mooren."

Aber auch für den Erhalt der Artenvielfalt sei die Genbank ein unentbehrliches Instrument. Dabei geht es Borgmann zufolge erst auf den zweiten Blick um Pflanzen, die für die Ernährung wichtig sind. Viele Pflanzen seien Nahrungsquelle für Insekten, die wiederum für die Bestäubung aller Pflanzen sorgten.

Genbank als "Backup"

Mit Hilfe der Genbank könnten viele Pflanzenarten bewahrt und wieder angesiedelt werden. Sie bildeten eine Art "Backup" für vom Aussterben bedrohte Arten, sagte der Experte. So hat der Botanische Garten der Uni Osnabrück im vergangenen Jahr im Landkreis Cloppenburg Jungpflanzen der gefährdeten Heilpflanze Arnika wieder angesiedelt.

Borgmann hält die Samen-Genbank aber auch aus grundsätzlichen Erwägungen für unverzichtbar. "Wir wissen nicht, welche Eigenschaft und welches Gen irgendwann einmal wichtig werden." Die Genbank werde bislang etwa zehnmal pro Jahr von Forschern oder Züchtern angefragt. Die Abgabe sei kostenlos, die Samen dürften aber nur für Forschungszwecke genutzt werden.

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