Bedford-Strohm: "Jeder Austritt schmerzt"

epd-bild / Gustavo Alàbiso

Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland haben im Jahr 2018 weiter Mitglieder verloren.

Die evangelische und katholische Kirche in Deutschland haben im Jahr 2018 weiter Mitglieder verloren.

Zwar sinken weiterhin die Mitgliederzahlen in den beiden großen christlichen Kirchen, doch immer noch ist die Hälfte der Deutschen katholisch oder evangelisch. Vor allem die Katholiken mussten 2018 erheblich mehr Austritte verzeichnen.
Deutschland spricht 2019

Die Mitglieder schwinden rasant. Das ist das Ergebnis der am Freitag vorgestellten Jahresstatistiken für 2018 der beiden großen christlichen Kirchen in Deutschland. Evangelische und katholische Kirche verloren demnach 2018 noch mehr Mitglieder als bereits 2017. Die Zahl der Protestanten ging um etwa 395.000 zurück, die Zahl der Katholiken sank um knapp 309.000, in der Summe ein Verlust von rund 704.000 Mitgliedern. Im Jahr 2017 waren es noch knapp 660.000.

Noch 21,1 Millionen Menschen gehörten 2018 der evangelischen Kirche an. Die katholische Kirche zählte zum Stichtag 31. Dezember rund 23 Millionen Mitglieder. Der Sekretär der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, nannte die aktuellen katholischen Zahlen "besorgniserregend". Sie bestätigten zwar den Trend der vergangenen Jahre, dennoch sei daran nichts zu beschönigen.

Diskussionen über Missbrauch

Trotz des zunehmenden Mitgliederschwunds sind mehr als die Hälfte aller Deutschen Mitglied der evangelischen oder katholischen Kirche. Hinzu kommen Christen aus orthodoxen oder Freikirchen. Finanzwissenschaftler der Universität Freiburg prognostizieren, dass die Kirchen binnen 40 Jahren die Hälfte ihrer heutigen Mitglieder verlieren könnte.

Ursache für die sinkenden Mitgliederzahlen sind Kirchenaustritte und Sterbefälle. Die 20 Landeskirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) verloren zwar mehr Mitglieder als die 27 deutschen Bistümer. Doch in der katholischen Kirche stiegen die Austritte prozentual wesentlich stärker an. So traten 2018 rund 220.000 Mitglieder aus der evangelischen Kirche aus (2017: rund 200.000), ein Anstieg um rund 11,6 Prozent. Der katholischen Kirche kehrten im vergangenen Jahr knapp 216.000 Menschen den Rücken, ein Jahr zuvor waren es noch rund 168.000 gewesen. Das ist ein Anstieg um 29 Prozent gegenüber der Vorjahreszahl.

Die katholische Laienbewegung "Wir sind Kirche" vermutet als Grund für die sprunghaft gestiegenen Austrittszahlen die Diskussion über die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der Kirche. Im September 2018 hatte die Bischofskonferenz eine Studie über die Missbrauchsfälle in ihrem Gebiet veröffentlicht. Man verstehe, wenn durch einen großen Vertrauensverlust, Glaubwürdigkeit verspielt worden sei, sagte Langendörfer. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte: "Jeder Austritt schmerzt." Nun müsse die Kirche noch deutlicher machen, warum die christliche Botschaft eine starke Lebensgrundlage sei.

Steuereinnahmen bislang nicht betroffen

2018 starben laut Statistik 340.000 evangelische Kirchenmitglieder. Die Zahl der Sterbefälle in der katholischen Kirche wird in der am Freitag veröffentlichten Statistik hingegen nicht erfasst. Sie weist nur die Zahl von 240.000 Bestattungen nach katholischem Ritus aus.

Doch die beiden christlichen Kirchen konnten im Jahr 2018 auch Mitglieder gewinnen. Durch Aufnahmen und Taufen wurden rund 195.000 Menschen Mitglied der evangelischen Kirche, rund 176.500 Menschen wurden katholisch. Doch während 2017 die Zahl der neu oder wieder gewonnen Mitglieder noch höher lag als die Zahl der Austritte, ist dies 2018 nicht mehr der Fall.

Die evangelische Kirche machte in ihrer Statistik auch Angaben zur Kirchensteuerentwicklung. Die Einnahmen durch die Kirchensteuer stiegen demnach 2018 auf 5,79 Milliarden Euro (2017: 5,67). Wegen der guten Konjunktur steigen die Kirchensteuereinnahmen trotz sinkender Mitgliedszahlen seit 2010. Bis 2060 wird sich die Finanzkraft der Kirchensteuereinnahmen in etwa halbieren, ergab die Prognose der Universität Freiburg, die im Mai 2019 veröffentlicht worden war.

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