Sascha Lobo: Medien müssen Publikum online wertschätzen

epd-bild / Gustavo Alabiso

Junger Mann mit Laptop (Archivbild)

Junger Mann mit Laptop (Archivbild)

"Ich glaube, die strukturelle Geringschätzung des Publikums ist das größte Problem der digitalen Medien", sagte Sascha Lobo auf den "Medientagen Mitteldeutschland".
Deutschland spricht 2019

Deutsche Medien müssen nach Auffassung des Online-Vordenkers Sascha Lobo online besser auf ihre Leser eingehen. "Ich glaube, die strukturelle Geringschätzung des Publikums ist das größte Problem der digitalen Medien", sagte der "Spiegel Online"-Kolumnist am Dienstag in Leipzig auf den "Medientagen Mitteldeutschland". Die Medienlandschaft sei im Umgang mit Publikum und Lesern bis heute nicht im 21. Jahrhundert angekommen.

Die Medienlandschaft missachte weitgehend, dass in der digitalen Welt bereits weitreichende Veränderungen stattgefunden hätten, sagte Lobo weiter. So sei etwa die Berichterstattung über den Cambridge-Analytica-Datenskandal bei Facebook 2018 in Deutschland sehr lückenhaft gewesen. Die sogenannten Social Bots oder Meinungsroboter spielten in deutschen Medien so gut wie gar keine Rolle.

"Kämpft um die digitale Beziehung zum Publikum"

Zugleich überschätze der Mensch auch im Medienbereich seine eigenen Fähigkeiten dramatisch, betonte Lobo. Die Nachrichtenagentur AP habe die Zahl ihrer mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellten Berichte in den vergangenen Jahren auf rund 4.400 pro Quartal verfünfzehnfacht. Das US-Magazin "Forbes" habe ein Redaktionssystem eingeführt, das den Stil der Autoren lernen und entsprechende Artikelvorschläge machen könne. Im Onlinebereich habe das Magazin seine Besucherzahlen dadurch verdoppelt.

Die Entwicklung des Internets habe in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Medien "über Jahrzehnte falsche Vorstellungen davon hatten, wie das Publikum drauf ist", sagte der Blogger. So hätten Medien oft keine oder falsche Vorstellungen etwa von den Interessen und der genauen Zusammensetzung des Publikums gehabt. Die Auswirkung des Internets als "Massenrückkanal" - dass also Leser, Hörer und Zuschauer jederzeit Feedback geben können - sei dramatisch unterschätzt worden.

Im Zeitalter des Online-Journalismus befinde sich immer jemand im Publikum, der sehr viel besser Bescheid wisse als der Journalist selbst "und auch als die 'Fact Checker' im eigenen Haus". Darauf "müsste man eigentlich eine neue Haltung aufsetzen", erklärte Lobo und rief Medienschaffende auf: "Kämpft um die digitale Beziehung zum Publikum!"

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