"Jüdische Allgemeine" fordert Erklärung von Twitter

epd-bild/Norbert Neetz

Die "Jüdische Allgemeine" war am Montag von Twitter vorübergehend gesperrt worden (Archivbild).

Die "Jüdische Allgemeine" war am Montag von Twitter vorübergehend gesperrt worden (Archivbild).

Der Chefredakteur der "Jüdischen Allgemeinen", Detlef David Kauschke, fordert von Twitter eine Erklärung für die vorübergehende Sperrung des Accounts der Wochenzeitung.

"Man möchte wenigstens in Erfahrung bringen, warum judenfeindliche Beleidigungen den Regeln entsprechen, redaktionelle Kurznachrichten einer jüdischen Wochenzeitung hingegen nicht", schreibt Kauschke auf dem Onlineportal "juedische-allgemeine.de".

So werde beispielsweise ein Tweet mit dem Inhalt "Frauen sind das pure Böse … Juden auch … jüdische Frauen sind die schlimmsten" von dem Kurznachrichtendienst offenbar nicht beanstandet. Twitter schweige aber, Nachfragen blieben unbeantwortet, kritisierte Kauschke.

Transparenz sei ein Leitmotiv

Das Unternehmen werbe damit, dass jeder eine Stimme und das Recht habe, sie zu erheben, so der Chefredakteur von Deutschlands wichtigster jüdischer Wochenzeitung. Transparenz sei ein Leitmotiv. Kauschke fragte: "Wie wäre es, wenn der amerikanische Kurznachrichtendienst seine Stimme erheben und uns erklären würde, wie er es mit der Presse‐ und Meinungsfreiheit hierzulande hält, kurz vor dem 70. Jahrestag des Inkrafttretens des Grundgesetzes?"

Die "Jüdische Allgemeine" war am Montag von Twitter vorübergehend gesperrt worden. In einer automatischen Mitteilung des Kurznachrichtendienstes hieß es, die Wochenzeitung habe gegen die Regeln "zum Veröffentlichen von irreführenden Informationen zu Wahlen" verstoßen. Am späten Montagnachmittag wurde der Account der Zeitung dann wieder freigeschaltet.

Grund für die Sperrung war den Angaben zufolge ein Tweet der "Jüdischen Allgemeinen" mit dem Wortlaut "Warum Israels Botschafter Jeremy Issacharoff auf Gespräche und Treffen mit der AfD verzichtet". Der Tweet wies auf ein Interview der Deutschen Presse‐Agentur mit dem israelischen Botschafter in Deutschland hin, in dem Issacharoff sagte, er meide jeden Kontakt zur AfD wegen deren Haltung zum Holocaust.

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