Sri Lanka fahndet nach 140 IS-Anhängern

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Trauerflor weht am 25. April über einer Straße in Sri Lankas Hauptstadt Colombo.

Trauerflor weht am 25. April über einer Straße in Sri Lankas Hauptstadt Colombo.

In Sri Lanka ist die Sicherheitslage weiter angespannt. Die Polizei warnt vor möglichen weiteren Anschlägen, auch auf Moscheen. Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Hauptstadt Colombo ab.

Nach den Osteranschlägen mit über 250 Toten in Sri Lanka fahnden die Behörden nach etwa 140 Personen mit Verbindungen zur Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS). Die Polizei warnte vor möglichen weiteren Anschlägen von Islamisten, wie Medien in Sri Lanka am Freitag berichteten. Einige Verdächtige seien weiter auf freiem Fuß. Die Polizei veröffentlichte Fahndungsfotos.

Auch die Bundesregierung äußerte sich besorgt, vor allem über die Hauptstadt Colombo. "Es besteht grundsätzlich die Gefahr von weiteren Anschlägen", erklärte das Auswärtige Amt am Freitag. "Reisenden wird vor diesem Hintergrund zu erhöhter Wachsamkeit geraten, insbesondere wird von nicht notwendigen Reisen nach Colombo abgeraten."

Katholische Gottesdienste abgesagt

Die srilankische Regierung hatte zuvor die Zahl der Todesopfer der Anschlagsserie auf Kirchen und Hotels auf 253 herunterkorrigiert und damit für Verwirrung gesorgt. Zuvor war von 359 Toten die Rede gewesen. Das Gesundheitsministerium begründete die Korrektur mit einem zuvor gemachten "Rechenfehler". Wegen der Stärke der Explosionen sei die Identifizierung der Leichen schwierig gewesen. Daher sei es zu Doppelzählungen gekommen. Die Obduktionen seien erst am Donnerstag abgeschlossen worden.

Mehrere islamische Verbände haben die Muslime aufgerufen, das traditionelle Freitagsgebet aus Sicherheitsgründen zu Hause abzuhalten. Zuvor hatte die Polizei auch von Plänen für Anschläge auf Sufi-Moscheen berichtet. Alle katholischen Gottesdienste sind bis zur kommenden Woche abgesagt. Mehr als 70 Prozent der 22 Millionen Einwohner Sri Lankas sind Buddhisten, zwölf Prozent Hindus, zehn Prozent Muslime und gut sieben Prozent sind Christen.

Verbindungen zum IS

Präsident Maithripala Sirisena sagte, um die 140 Personen im Land hätten nach vorläufigen Ermittlungen Verbindungen zum IS. "Die Polizei ist dabei, diese festzunehmen", sagte er. Seit 2013 hätten einige Jugendliche Kontakt zu der Terrormiliz aufgenommen. Der IS hatte sich zu den Anschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag bekannt.

Sri Lankas Regierung geht davon aus, dass der IS mit der örtlichen Terrorgruppe "National Thowheeth Jamath" (NTJ) zusammenarbeitete. Drahtzieher soll NTJ-Gründer Zahran Hashim sein, der bei dem Anschlag auf das Shangri-La Hotel in Colombo ums Leben gekommen sei. Bislang wurden 70 Verdächtige festgenommen. Die meisten sind offenbar Freunde oder Verwandte der neun Selbstmordattentäter. Unter den Inhaftierten ist auch der Gewürz-Milliardär Mohamed Ibrahim. Zwei seiner Söhne hatten am Sonntag Selbstmordattentate auf zwei Luxushotels in Colombo verübt. Australien hatte gegen einen der Attentäter bereits 2014 wegen IS-Kontakten ermittelt, als dieser an der Universität von Melbourne studierte.

Grabenkämpfe innerhalb der Regierung

Es bleibt weiter unklar, inwieweit Grabenkämpfe innerhalb der Regierung dazu geführt haben können, dass Terrorwarnungen aus Indien unbeachtet blieben. Der Verteidigungssekretär und der Polizeichef sind inzwischen zurückgetreten. Sri Lankas Präsident Sirisena hatte diese wegen des Versagen der Geheimdienste gefordert. Ministerpräsident Ranil Wickremesinghe räumte schwere Versäumnisse ein, erklärte aber, er sei über die Warnungen nicht informiert worden. Zwischen ihm und Präsident Sirisena besteht eine kaum verborgene Feindschaft.

Der Polizei unterlief eine weitere Panne: Sie veröffentlichte auf einem Fahndungsplakat das Foto einer unbeteiligten amerikanischen Studentin anstelle einer gesuchten Terroristin. Soziale Medien wie Facebook, Instagram und Whatsapp blieben weiter blockiert, um die Verbreitung von Gerüchten und Fake News zu stoppen. Am Ostersonntag hatten neun Selbstmordattentäter fast zeitgleich Anschläge auf mehrere Kirchen und Luxus-Hotels verübt.

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