Bildungsstätte Anne Frank thematisiert linken Antisemitismus

Die Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt am Main nimmt sich in einer Sonderausstellung des Themas Antisemitismus unter Linken an.

Judenfeindlichkeit sei kein bloßes Vorurteil, sagte Kurator Tom Uhlig bei der Eröffnung der Schau "Das Gegenteil von gut - Antisemitismus in der deutschen Linken seit 1968" am Montag. Es sei ein Ressentiment, eine emotionale Art, die Welt zu verstehen.

"Linker Antisemitismus ist die Form des Antisemitismus, die am wenigsten thematisiert wird", sagte Meron Mendel, der Leiter der Bildungsstätte. Unter Linken gebe es einen Reflex, jede Form von Ressentiment weit von sich zu weisen, weil man ja links sei und somit für eine Welt streite, in der Menschen verschieden sein dürften.

Klassische Judenfeindschaft

Die Ausstellung zeigt auf Texttafeln oder Interviewsequenzen, zum Beispiel mit dem Politologen und Historiker Ismael Küpeli oder mit der Politikerin Jutta Ditfurth, dass Linke in der Geschichte dennoch immer wieder hinter diesen Anspruch zurückfallen. Als Symbol des weltumspannenden Kapitalismus taucht auf Demonstrationen beispielsweise immer wieder der Krake auf.

Dieses Tier habe als Symbol nicht nur für die Anwürfe der klassischen Judenfeindschaft von rechts herhalten müssen, sagte Uhlig. Das Symbol lege auch nahe, dass das System Kapitalismus auf das Wirken einer kleinen, reichen Minderheit zurückzuführen sei. Beseitige man diese Minderheit, beseitige man damit auch soziale Ungleichheit. Dabei falle unter den Tisch, dass Kapitalismus eben nicht das Produkt von Klüngelei sei, sondern ein Beziehungsgeflecht, an dem jeder Konsument seinen Anteil habe, erläuterte Uhlig.

Der Kurator nannte weitere Beispiele für linken Antisemitismus: In der traditionell linken Hausbesetzerszene verbinde sich Ablehnung von Spekulanten mit deren Identifizierung als Juden. Uhlig nannte außerdem den Fall der Holocaust-Überlebenden Deborah Weinstein: Sie war vor knapp zwei Jahren während einer Podiumsdiskussion an der Berliner Humboldt-Universität von studentischen Aktivisten niedergebrüllt worden, die damit gegen Israel protestieren wollten.

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