Prozess zum Chemnitzer Tötungsdelikt beginnt

epd-bild/Wolfgang Schmidt

Blumen und Kerzen am Tatort auf der Brückenstrasse in Chemnitz

Blumen und Kerzen am Tatort auf der Brückenstrasse in Chemnitz

Fast sieben Monate nach der tödlichen Messerattacke in Chemnitz beginnt am Montag (18. März) der Prozess gegen einen der mutmaßlichen Täter.

Dem 23-jährigen Syrer Alaa S. werde gemeinschaftlicher Totschlag und gemeinschaftlicher versuchter Totschlag in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen, teilte das Landgericht Chemnitz am Freitag mit. Er soll gemeinsam mit dem Iraker Farhad A. den 35-jährigen Chemnitzer Daniel H. getötet haben. Sein mutmaßlicher Komplize ist offenbar untergetaucht. Er wird mit internationalem Haftbefehl gesucht.

Die Hauptverhandlung findet wegen erhöhter Sicherheitsanforderungen und dem erwarteten großen öffentlichen Interesse im Prozessgebäude des Oberlandesgerichts in Dresden statt. Bis Ende Oktober sind mehr als 20 Termine angesetzt.

Gegen den Syrer Alaa S. hatte die Staatsanwaltschaft Chemnitz zu Beginn des Jahres Anklage erhoben. Das Ermittlungsverfahren gegen einen dritten Tatverdächtigen, den Iraker Yousif I. A. (23), wurde Mitte Januar eingestellt.

Bundesgerichtshof lehnte Verlegung ab

Nach dem Willen der Verteidiger sollte der Prozess nicht in Sachsen und auch nicht in Thüringen oder Brandenburg stattfinden. Sie hatten einen entsprechenden Antrag gestellt, weil sie den Prozess gefährdet sahen. Der Bundesgerichtshof hatte ihn jedoch abgelehnt.

Begründet wurde der Antrag mit Sicherheitsrisiken und zu erwartenden Protestaktionen. Zudem warnten die Verteidiger vor einer Instrumentalisierung des Gerichtsverfahrens durch rechte Parteien während der Landtagswahlkämpfe in den genannten drei ostdeutschen Bundesländern.

Am Rande des Chemnitzer Stadtfestes war am 26. August 2018 der Deutschkubaner Daniel H. mit fünf Messerstichen getötet worden. Zuvor sollen die beiden beschuldigten Männer in eine verbale Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen verwickelt gewesen sein. Der tödliche Vorfall löste eine Reihe ausländerfeindlicher Proteste in Chemnitz aus, die bundesweit für Aufsehen sorgten.

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